Konzerte & Party

Laibach spielten im Heimathafen Neukölln

Laibach

Viele ganz schön blasse Gruftimädchen und Jungs mit anständig kurzem Haarschnitt sind in den Heimathafen Neukölln gekommen, um der slowenischen Industrial-Gruppe Laibach zu huldigen. Man steht auf Nazi-Chic, trägt Vopo-Schirmmütze und Armbinde mit schwarzem Laibach-Kreuz. In der Aneignung und Entweihung von faschistischen Symbolen sind Laibach absolute Meister. Hier versteht sie keiner mehr falsch. Pünktlich auf die Minute, um 21 Uhr, betritt die 1980 formierte Avantgarde-Band die Bühne. Von der Ur-Besetzung ist lediglich Sänger Milan Fras anwesend. An den Synthies Jungspunde und eine sexy Dame in Uniform, die auch mitsingen darf. Im ersten Teil des Abends werden modernisierte Versionen aus der Frühphase der Band gegeben. Fras singt beschwörend tief slowenisch. Auf der Projektionsfläche im Hintergrund werden wichtige Textpassagen holperig in Deutsch und Englisch übersetzt. Die neuen Laibach covern die alten Laibach. Die Oldschool-Fans sind skeptisch. Dann ist erst mal 20 Minuten Pause.
Im zweiten Teil des Konzerts liefert Laibach eine Vielzahl skurriler Coverversionen in deutscher Spache ab. Queen’s „One Vision“ klingt dann so: „Ein Mensch, ein Ziel und eine Weisung. Ein Herz, ein Geist, nur eine Lösung. Ein Brennen der Glut. Ein Gott, ein Leitbild.“ Aus dem schrecklichen Ballermann-Heuler „Live Is Life“ von Opus wird der kernige Militärmarsch „Leben heißt Leben“. Laibach sind Meister der Umdeutung. Aus harmlosen Hits machen sie faschistoid anmutendes Liedgut. Absolut bierernst von Milan Fras vorgetragen und gerade deshalb zum Brüllen komisch. Bei „Tanz mit Laibach“ wird die Stimmung gar ausgelassen. „Eins, zwei, drei, vier, Kamerad‘, komm tanz mit mir. Eins, zwei, drei, vier, beide Hände reich# ich dir. Eins, zwei, drei, vier, deutsches Volk, komm tanz mit mir“. Besser hätten DAF das damals während der Neuen Deutschen Welle auch nicht hinbekommen. Selten habe ich mich auf einem Konzert so befreiend amüsiert wie über die eingedeutschten Coverversionen von Laibach. Wenn ich das nächste Mal eine Respektsperson in Uniform vor mir habe, muss ich bestimmt lachen.

Text: Jörg Buttgereit

Foto: POP-EYE / Sattler

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