Konzerte & Party

Laing in der Volksbühne

Laing

Nicola Rosts Songtexte ließen sich problemlos als Kurzgeschichtenband veröffentlichten. Die Sprache der Laing-Frontfrau ist derart präzise und kompakt, dass die beschriebenen Szenen im Geist des Rezipienten sofort lebendig werden. Der begleitende Mix aus Minimal-Elektro, R’n’B und NDW dient scheinbar dem alleinigen Zweck, die Handlungen noch plastischer zu machen und die Immersion zu vereinfachen. Schauplatz der Geschehnisse ist in der Regel der Großstadtalltag, den Rost in Feldstudien-Manier fein säuberlich seziert. Zu den Protagonisten gehören rollige Clubgänger, ignorante Nachbarn und narzisstische Fitness-Freaks. Charakteristisch für Rosts Erzählweise sind dabei ihr eiskalter Zynismus und ihre Vorliebe für Doppeldeutigkeiten: „Ich bring dich noch um die Ecke und dann müssen wir auch schon Auf Wiedersehen sagen“, säuselt sie perfide im Track „Ding Dong“, einer Mordfantasie über einen nervigen Lover. Der Gipfel der lyrischen Arglistigkeit befindet sich aber auf Laings neuem Album „Wechselt die Beleuchtung“. Darauf stellen sie dem Refrain des Heintje-Schnulzsongs „Sei doch bitte wieder gut“ kurzerhand die folgenden Zeilen voran: „Ich hab deinen Geburtstag vergessen, deinen Hund verkauft, deinen Lieblingsjoghurt gegessen, dein letztes Dope geraucht. Auf dem Teppich hab ich Wein verkleckert und allein war ich dabei nicht. Die Miete hab ich nicht überwiesen. Das Geld brauchte ich dringend für mich.“ Neue Deutsche Unverkrampftheit. So kann sie klingen.

Text: Henrike Möller

Laing, Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, Do 11.9., 20 Uhr, ?VVK: 20 Euro zzgl. Gebühr

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