Konzerte & Party

Last Days Of …

LastdayspartySo viele Partys gibt es derzeit an den Wochenenden, dass man sich beinahe langweilt ob des Überangebots. Und so steht man auf der Suche nach etwas Originellem an einem Samstagabend in einem alten Fabrikgebäude unweit der Prinzenstraße, das Motto der Partyreihe: „Last Days of …“, heute: Posh. Hinter der Bar laufen alte Spice-Girls-Videos, deren Weltpremieren man mit 13 sehnsüchtig entgegengefieberte. Kleinstadtmädchencliquen teilten damals die Rollen untereinander auf. Posh-Spice wollte niemand sein. Lieber Mel B oder Sporty Spice. Posh hauchte nur im Background und stülpte die Lippen zum starschnitt-großen Schmollen. 15 Jahre später weiß niemand, was aus den anderen, den coolen Spice-Girls geworden ist. Nur Victoria ist noch da, schlägt sich wacker an der Seite des alternden Sexsymbols David Beckham, ja, eigentlich hat sie ihn längst überstrahlt: Die Kollektionen ihres Mode­labels haben es auf die Roten Teppiche und die New Yorker Fashion Week geschafft. Geblieben ist die Verachtung von damals. Und der Spott der Klatschmagazine, die Bilder mit knallharten Silikonbrüsten, transvestitenhafte Ledercaps, und immer noch dieses seltsame Enten­gesicht.

So hängt sie also jetzt im Backyard an den Wänden, neben gerahmten Bildern von Kurt Cobain und Ozzy Osborne zu Black Sabbath-Zeiten. Aus den Boxen lamentiert Pete ­­­Do­­­­­h­erty­­ „Can’t Stand Me Now“ und von den Wänden fällt der Putz in Fetzen. Auf den Toiletten liegen alte Ausgaben der „InTouch“ mit Schlagzeilen wie „Treibt der Knast sie in den Tod?“ neben dem Bild einer aufgedunsenen Lindsay Lohan. „Ich war mal ein Fan von Lindsay“, sagt Suz (Foto unten). Sie hat sich die Partyreihe ausgedacht. Suz hat rote Sprungfederlocken, die vorne zum Pony gekürzt sind. Sie sieht ein bisschen aus wie Jennifer Beals in Flashdance. „Dann ging es auf einmal bergab mit Lilo.“ Es fasziniert Suz, wie jemand sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere durch Eskapaden alles versauen kann. Eine Gedenkparty für Lindsay, das sollte also das Motto sein, als Suz im November 2009 ihre erste eigene Party plante. Sie saß an einem Sonntag zu Hause und überlegte, wo sie am nächsten Wochenende hingehen sollte. Sie fand nichts. Suz ist in Berlin aufgewachsen, in Mitte, einen Steinwurf von E-Werk und Tresor entfernt. Sie hat schon so ziemlich alles gesehen in der Berliner Nacht. Also dachte sie: „Gut, dann mache ich mal selbst eine Party.“ Dienstag begann sie alles zu organisieren, Samstag war dann die erste Last-Days-Party.

Suz„Ich finde Abgründe spannend“, sagt Suz. Also blieb es bei dem Motto, einmal im Monat lädt sie seitdem zusammen mit Freund Lars ein, die letzten Tage von gefallenen Stars zu feiern, von Kate Moss, Mischa Barton, Mariah Carey oder Axel Rose. In Berlin gibt es sie nicht die Lilos und Britneys, weil Berlin, dieser Stadt des Understatements, der Glamour fehlt – und damit die nötige Fallhöhe für ein Partysternchen. Aber es tanzt sich gut neben den Bildern an den Wänden: Posh im Pelz, Posh nackt. Meistens gibt es einen Dresscode: Drunken Diva, Fallen Celebrity oder eben Posh! Auch das meint Suz eher mit einem Augenzwinkern. Und es ist schwer auszumachen, wer verkleidet ist und wer nachts um drei nicht mehr merkt, dass der Träger verrutscht, die Schminke verwischt ist. Ein wild knutschendes Pärchen versperrt inzwischen den Eingang. Vielleicht passt das Motto doch mehr zu Berlin als Suz glaubt.

Text: Anne Lena Mösken

Last Days Of… Britney Spears, Gitschinerstr. 22, Berlin-Kreuzberg, Sa 09.04., 24 Uhr, Dresscode: Like A Virgin.

www.lastdaysberlin.com

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