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Laufen, Laufen, Laufen… und mehr

Laufen

Es mag eine gewagte These sein, doch vielleicht ist das Laufen ja auch deshalb so beliebt, weil man dabei so wunderbar Musik hören kann. Ohrstöpsel rein, Außenwelt ausgeblendet und los geht es, so weit die Beine im Rhythmus der Musik tragen. Wir haben in der Redaktion mal alle Songs zusammengetragen, die uns zum Thema Laufen eingefallen sind – von Arcade Fire mit „Ready To Start“ über Iron Maidens „Loneliness of The Long Distance Runner“ bis hin zu Green Day und ihrem „Nice Guys Finish Last“ und dem Stone Sour-Bekenntnis „Tired“. Querbeet geht es durch dabei durch alle Musikgenres, so ist für alle was dabei.
Am Ende standen da 77 Songs auf der Liste und auch wenn wir wissen, dass es da noch unendlich viele weitere Lieder gibt: Eine Gesamtlaufzeit von 5 Stunden und knapp 11 Minuten ist dann schon ein ordentlicher Marathon. Die gesamte Playlist finden Sie ganz unten auf dieser Seite.

Und für die Pausen zwischen den Läufen hat Ihnen unser Redakteur Jacek Slaski dann noch ein paar Lesetipps für die Couch zusammengestellt. Wir wünschen viel Spaß beim Laufen und beim zwischenzeitlichen Ausruhen.

Christoper McDougall: Born To RunBorn to Run: Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt“ von Christopher McDougall, Karl Blessing Verlag, 400 Seiten, 19,95 Euro
Die Tarahumara sind ein nahezu vergessenes Volk, das in den Bergen im Norden Mexikos lebt. Von korrupten Polizisten und Drogenkartellen drangsaliert, haben sie es dennoch bis heute geschafft, ihre jahrtausendalte Kultur zu bewahren und diese basiert auf laufen, laufen und nochmals laufen. Zu behaupten, die Tarahumara wären die besten Läufer der Welt, ist vermutlich keine Übertreibung. Der amerikanische Sportjournalist Christopher McDougall macht sich auf die Suche nach jenen Männern, die auch mal 24 Stunden am Stück laufen können und Tiere so lange verfolgen, bis diese erschöpft zusammenbrechen. Nebenbei führt er in die Höhen und Tiefen des Sports ein, spürt einer Outlaw-Läuferlegende nach, lässt sich über das richtige Schuhwerk aus, sinniert über das Barfuß-Joggen und organisiert ein Ultra-Rennen, an dem die extremsten Läufer der westlichen Welt gegen die Tarahumara antreten.

Hunter S. Thompson: Der Fluch der Lono„Der Fluch des Lono“ von Hunter S. Thompson, Heyne, 240 Seiten, 12,99 Euro
Drogenfreak, Waffennarr, Irrer vom Dienst. Hunter S. Thompson hing mit von Amphetaminen und Adrenalin aufgeputschten Hells Angels ab, säte Angst und Schrecken in Las Vegas und begleitete einen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten bei dessen Wahlkampftour durch die USA. Doch sein Brotjob war stets die Sportberichterstattung. So ist es nicht ganz abwegig, dass ihm Anfang der 80er-Jahre das Fachmagazin „Running“ den Auftrag erteilte, über den Honolulu-Marathon zu schreiben. Der Erfinder des Gonzo-Journalismus seziert in seinem erst 2011 in deutscher Sprache veröffentlichten Buch das sportliche Massenphänomen und reist immer tiefer ins dunkle Herz Hawaiis. Er folgt den Mythen, die schon Kapitän Cook das Leben kosteten, wird von schlechten Wetterfronten geplagt, kauft eine samoanische Kriegskeule und illegale Feuerwerkskörper, trinkt zu viel Alkohol und stürzt sich mit drogensüchtigen Immobilienmaklern und schrägen Hochseeanglern ins (fast) tödliche Abenteuer.

Haruki Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede„Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ von Haruki Murakami, btb Verlag, 176 Seiten, 8 Euro
In seinem vielleicht persönlichsten Werk, meditiert der japanische Bestsellerautor über seine lebenslange Leidenschaft: den Marathon-Lauf, der zu einer Konstante auch für seine Arbeit wurde. Schreiben, laufen, schreiben, laufen. In dem Rhythmus aus körperlicher und geistiger Anstrengung konnte Murakami ein Millionenpublikum erreichen und machte sich gut zwei Dutzend mal auf die 42 Kilometer lange Strecke auf. Man erfährt wie er dabei Kraft und Inspiration fand, wie sich seine verschiedenen Wohnorte auf sein Laufverhalten auswirkten und wie der Sport zu einer Art Sucht wurde und als der normale Marathon nicht mehr genügte, er im Triathlon und Ultralanglauf die Erfüllung fand.

Alan Sillitoe: Die Einsamkeit des Langstreckenläufers„Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“ von Alan Sillitoe, Diogenes, 80 Seiten, 7,90 Euro
Der Klassiker unter den Lauf-Büchern, wobei man hier Tipps zum richtigen Schuh und Atemtechnik vergeblich suchen wird. Bei Sillitoe wird das Laufen zu einer gesellschaftlichen Metapher. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 17-jährige Colin Smith, der wegen Diebstahls in einem Jugendgefängnis einsitzt. Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen, ist aber ein begnadeter Langstreckenläufer und fällt schon bald dem Direktor der Anstalt auf, der seinen talentierten Häftling in einen Wettkampf schicken will. Im täglichen Training findet der rebellische Held zu sich selbst und erlebt einen berauschenden Moment der Freiheit. Bereits 1959 schrieb Sillitoe die Erzählung, die zu den wichtigsten Werken der „Angry Young Men“-Strömung zählt. Einer Ära, während der englische Künstler und Schriftsteller eindrücklich soziale Entfremdung und Klassenkonflikte thematisierten. Bis heute hat „Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“ nichts von der sprachlichen Kraft verloren.

Mark Rowlands: Der Läufer und der Wolf„Der Läufer und der Wolf“ von Mark Rowlands, Rogner & Bernhard, 260 Seiten, 19,95 Euro
Das Laufen als elementarer Bestandteil des Menschseins: Mark Rowlands ist Professor für Philosophie und sucht in seinen Schriften nach den Quellen unseres Daseins und Denkens und das nicht nur in der Theorie sondern gleichermaßen in der Praxis. In seinem vorangegangenen Buch „Der Philosoph und der Wolf“ beschreibt er seine Freundschaft mit einem Wolf und verrät was ein wildes Tier uns lehrt. Diesmal widmet er sich dem Phänomen des Laufens. Er reflektiert sich selbst, den mittelalten, melancholischen Akademiker mit leichtem Übergewicht und Muskelfaserriss, der es dennoch nicht lassen kann und einen Marathon laufen will. Zwischen Platon, Sartre und Heidegger erkennt Rowlands in der enormen Popularität des Laufens auch eine Weigerung des modernen Menschen, sich dem Alter kampflos zu ergeben.

Playlist-Zusammenstellung: Martin Zeising

Buchtipps: Jacek Slaski

Foto oben: Lena Ganssmann

Alles weitere zum Thema „Laufen“ finden Sie in der großen Titelstory im aktuellen tip 20/2014. Ab Donnerstag, den 25. September 2014 am Kiosk.

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