Konzerte & Party

Laura Gibson im Grünen Salon

Laura Gibson

Bislang sang die Mittdreißigerin aus Portland im Bundesstaat Oregon derart traurige, melancholisch verwehte Songs, dass ihre Fans „If You Come to Greet Me“ und „Beasts of Seasons“, die ersten beiden Alben der Sängerin und Gitarristin, bei Begräbnissen ihrer Liebsten aufzulegen pflegten. Die brüchige Stimme, die immerzu ins Sehnsuchtsvolle zu kippen scheint, wirkt schließlich wie geschaffen für jene todesnahen Lieder aus der Welt der Wälder, Berge und Lagerfeuer, wo Frauen verstörende Geheimnisse in sich tragen und bärtige Männer in der Weite herumwandern.
Den nostalgischen Charme hat Gibson für ihr drittes Album „La Grande“ nicht abgeworfen, jedoch einzelnen Stücken einen ordentlichen Tritt in den Hintern versetzt. Eine illustre Schar von Folk- und Alternativ-Country-Musikern aus dem Umfeld von Calexico, den Dodos und M.Ward hat sie sich zur Unterstützung geholt. Mit ihnen plündert sie im reichhaltigen Schatz amerikanischer Musiktradition, im Blues, Spirituals und Gospels. Und plötzlich brummen die Bässe, heulen die Orgeln, hier und da zirpt eine Flöte und selbst Trommeln, auf die sie bislang erfolgreich verzichtet hat, finden sich im neuen Klangbild. Dieser Elan tut Laura Gibson offensichtlich gut, scheint er doch einen neuen künstlerischen Weg zu weisen, und er schlägt sich ebenfalls in ihren Texten nieder, die meist in einem Campinganhänger verfasst wurden und durchaus ein wenig Zuversicht erlauben. Fortan wird niemand mehr ihre Musik bei traurigen Anlässen spielen, zumindest nicht mehr ganz so oft.

Text: Jacek Slaski

Laura Gibson, Grüner Salon, Do 19.4., 20 Uhr, VVK: 13 Euro

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