Konzerte & Party

Laura Marling im Postbahnhof

Laura Marling

Wird Laura Marling auf ihre Zeit als Abiturientin angesprochen, als sie mit Freunden wie Noah And The Whale oder Mumford & Sons regelmäßig in Londons Communion-Bar auftrat, vermeidet sie das Wort „Neofolk-Szene“. „Wir haben einfach alle zur selben Zeit angefangen, die Plattensammlungen unserer Eltern zu durchwühlen“, resümiert die 22-Jährige nüchtern. In Marlings Fall war die Ernte reich, da der Vater Tonstudio-Inhaber ist, die Mutter Musiklehrerin. Den Kanon an Folk-Alben mit Neil Young, Bob Dylan oder Joni Mitchell hat das blasse Mädchen als Teenie ähnlich verinnerlicht wie ihre Altersgenossen CDs von Bloc Party oder Muse. Drei Alben hat sie aufgenommen, das erste mit 17. Doch erst mit ihrem neuen dritten, „A Creature I Don’t Know“, habe sie sich von den Einflüssen wohlmeinender Produzenten gelöst: „Jetzt habe ich das Selbstbewusstsein, und ich weiß genau, wie ich klingen will“, sagt sie. Am eindrucksvollsten an den intim arrangierten Songs und Storys aus der Ich-Perspektive ist Marlings lebensweise wirkender Gesang. Der schwebt klar über teils rauem Begleitwerk; zu verzerrten E-Gitarrenmotiven singt sie dann von erlöschender Liebe, Verlangen, Abhängigkeiten; Texte, die nicht klingen, als stammten sie von einer blutjungen Lehrertochter. Wieder hält sie den Ball flach: Viel Lebenserfahrung habe sie nicht. Eher eine unstillbare Neugier aufs Leben, die Menschen und ihre inneren Kämpfe. Songwriting sei wohl ihr „verzweifelter Versuch, um es zu verstehen“.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Deirdre Callaghan

Laura Marling, Postbahnhof, Fr 23.3., 20 Uhr, VVK: 22 Euro

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