Konzerte & Party

Lauryn Hill spielte im Tempodrom

Lauryn Hill

Man beginnt sich schon Sorgen zu machen. Der Anheizer, ein gewisser DJ Rampage, tritt später als geplant in Aktion und legt einen Set hin, der gar nicht mehr enden will. Ihm folgt die Band, die sich auch erst in aller Ruhe einspielt. Nicht schon wieder, denkt man sich da. Nach den peinlichen Auftritten von Usher im letzten Jahr wird man halt unruhig, wenn der Star des Abends auf sich warten lässt.
Aber dann kommt sie doch. Lauryn Hill trägt die Haare jetzt kurz, hat sich ein nach Kirchengottesdienst aussehendes Fellkleid übergestreift und hohe weiße Stiefel angezogen. Ein bisschen sieht sie damit aus wie eine Vorkämpferin für schwarze Bürgerrechte aus den späten Sechzigern. Um sie herum sind Monitorboxen im Kreis angeordnet, links und rechts von ihr stehen Lautsprechertürme. Das ist eine Anlage, die man von Rockbands kennt, bestimmt aber nicht von Musikern aus den Genres HipHop oder Soul. Und richtig: Man hat den Eindruck, dass Hill und Band probieren wollen, wie man sich auf einem Festival gegen das Publikum von Rage Against The Machine behauptet. Es hörte sich rabiat, chaotisch und nicht eingespielt an. Mal erinnerte es an Jazz-Rock, mal an schmutzigen Funk aus dem Übungsraum und mal eben an Rock. Bei dem ganzen Tohuwabohu hat man Mühe, die Stücke aus dem Album „The Miseducation Of Lauryn Hill“ überhaupt zu erkennen. Der Sängerin gelingt es zudem nicht, sich gegen den ungehobelten Sound der Band zu behaupten. Nach etwa einer Stunde beginnt das Publikum, dagegen zu opponieren. Es forderte Hill auf, sich um besseren Sound zu bemühen. Die Sängerin merkt, dass sie jetzt ein bisschen nett zu den Leuten sein muss, und erzählt davon, wie sie das alles doch vermisst habe.
Danach wird es tatsächlich besser. Mit den Fugees-Klassikern „Fu-Gee-La“, „Ready Or Not“ und „Killing Me Softly“ kommt endlich Stimmung ins Rund, und bei der Zugabe „Doo Wop (That Thing)“ erheben sich doch noch alle Zuhörer von den Sitzplätzen. Was das alles für die Zukunft von Lauryn Hill bedeutet, ist schwer zu sagen. Die Frau muss erst einmal wieder richtig hineinfinden ins Konzertgeschäft.

Text: Thomas Weiland

Foto: Roland Owsnitzki

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