Konzerte & Party

Lawrence Arabia im Roten Salon

Lawrence_Arabia_c_AmeliaHandscombJames Milne muss eine Schwäche für den Film „Lawrence von Arabien“ haben, sonst hätte er sich für sein Musiker-Ego nicht einen ähnlichen Namen ausgesucht und seine Platten zu Anfang nicht auf dem Label Honorary Bedouin Records veröffentlicht. Seltsamerweise lässt sich bei ihm sonst überhaupt kein tiefer gehendes Interesse an orientalischer Kultur ausmachen. Man muss ihm nur kurz zuhören, schon weiß man, dass er der angloamerikanischen Pop¬kultur zuzurechnen ist. Erste Schritte unternahm er in seinem Heimatland Neuseeland an der Seite seines Freundes Ryan McPhun in dessen Band The Ruby Suns. 2006 erschien dann das Debüt als Lawrence Arabia. Weil Milne all das nicht wirklich weiterbrachte, ließ er sich mitten im trendigen Osten Londons nieder und finanzierte die höhere Miete mit einem Gastengagement bei Okkervil River. So hatte er am Ende alle Freiheiten, um sich in Ruhe seiner ersten großen Tat zu widmen. Das Album „Chant Darling“ überzeugt mit einer Reihe von cleveren Popsongs, in denen eine Schwäche für die Beach Boys, Beatles oder Byrds zum Ausdruck kommt. Bei der Produktion des soeben veröffentlichten Nachfolgers „The Sparrow“ muss er dagegen Exzentrischeres im Sinn gehabt haben. Milne scheint besonders die Musik eines Ray Davies, der Canterbury-Clique um Caravan oder von The Divine Comedy in sich aufgesogen zu haben. Es kommt auch vor, dass ein Song auf einem Bass-Groove basiert, der an Serge Gainsbourg erinnert und am Ende mit gruselig anmutenden Streichern seinen Höhepunkt erreicht. Das sind dann schon richtig kleine Kunststücke.

Text: Thomas Weiland

Foto: Amelia Handscomb

Lawrence Arabia Roter Salon, Mo 10.9., 21 Uhr, VVK: 14 Ђ

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