Konzerte & Party

Lee Fields im Lido

Lee Fields

Eigentlich sei er die Treue in Person, betont Lee Fields. An einen Seitensprung hätte er noch nie gedacht. Doch jetzt, da er diese Frau kenne, liege der Ehebruch für ihn im Bereich des Möglichen. Fields malt sich aus, wie das Drama wohl seinen Lauf nehmen wird, und besingt es in „Faithful Man“, dem Titelsong seines neuen Albums. Er tut es wie ein Mann, der wirklich hin- und hergerissen ist und nicht mehr ein und aus weiß. Aber wer ist dieser Lee Fields? Präzise biografische Informationen über ihn findet man nicht so leicht. Man darf davon ausgehen, dass er um die 60 ist. Die Single „Bewil­dered“ aus dem Jahr 1969 war ein erstes Lebenszeichen, das Album „Let’s Talk It Over“ folgte zehn Jahre später. Zu Zeiten des Disco-Booms empfand man Fields mit seiner rauen, an Otis Redding, James Brown oder Bobby Womack erinnernden Stimme aber nicht als aktuell genug, das Album wurde ein Flop. Andere Musiker haben nach ähnlichen  Enttäuschungen das Handtuch geworfen, nicht aber Lee Fields. Er hat nie aufgehört, an seine Sache zu glauben. Geholfen hat ihm zuerst die Wiederentdeckung des Rare Groove in den Neunzigern. Sie sorgte dafür, dass „Bewildered“ und andere seiner Singles auf Partys einer ganz neuen Generation liefen. Seine beste Zeit erlebt Fields jetzt, in reifen Jahren. Das Album „Faithful Man“ und sein auch schon brillanter Vorgänger „My World“ sind in Zusammenarbeit mit Jeff Dynamite und Leon Michels alias Truth & Soul entstanden. Die bisher erfolgreichste Arbeit des Produzentenduos ist der Longplayer „Good Things“ von Aloe Blacc auf dem kalifornischen Label Stones Throw.  
Mayer HawthorneBei Stones Throw kam man auch auf die Idee, das Gesangstalent in Andrew Cohen Mayer zu fördern. Da hatte man sich ganz schön was vorgenommen, denn der 33-Jährige aus der Gegend von Detroit hatte ursprünglich andere Ambitionen. Cohen Mayer war überzeugter HipHopper. Unter dem Namen DJ Haircut produzierte er Instrumentals auf Grundlage von Sounds aus seiner Plattensammlung. Da so etwas auf Dauer teuer werden kann, er aber trotzdem verwertbares Material für Produktionen benötigte, probierte Cohen Mayer es ersatzweise als Sänger mit Band. Der Plan ist aufgegangen. Wie gut es für den Quereinsteiger läuft, sieht man daran, dass er bereits zwei Alben unter dem Namen Mayer Hawthorne veröffentlicht hat. „How Do You Do“, das letzte der beiden, erschien sogar bei einem Major. Die Musikindustrie will den großen Reibach und unbedingt vermeiden, dass ihr noch einmal ein Volltreffer wie Adele durch die Lappen geht. Ob sie da auf den Richtigen gesetzt hat, ist allerdings zu bezweifeln. Mayer Hawthorne trägt das Herz am richtigen Fleck. Er liebt die Musik, die er macht. Man spürt bei ihm Nähe zu Curtis Mayfield, The Stylistics, Smokey Robinson und generell zum Werk von Motown. Seine Stimme aber ist etwas dünn. Und wenn man sich ansieht, wie er das legere Sportoutfit gegen Anzug und Krawatte eingetauscht hat und wie er auf Konzerten wie zuletzt im Festsaal Kreuzberg wie ein Buchhaltersohn auf einer College-Party über die Bühne fegt, merkt man schnell, dass bei Mayer Hawthorne auch Posen eine große Rolle spielen. Posen aber haben im Soul nichts zu suchen, sie untergraben den Eindruck von Autorität und Authentizität. Bei Papa Lee muss man sich diese Sorgen nicht machen. Bei ihm gilt: ein Mann, ein Machtwort.

Text: Thomas Weiland

Foto unten: UMGI

Lee Fields & The Expressions, Lido, Do 22.3., 21 Uhr, VVK: 24 Euro

Mayer Hawthorne & The County, Gretchen, Do 22.3., 21 Uhr, VVK: 24 Euro

Mehr über Cookies erfahren