Konzerte & Party

Legendenbildung

Hagen LiebingDer legendäre Künstler, das legendäre Konzert, der legendäre Club, die legendäre Aufnahme. Solche Superlativen sind mittlerweile nicht nur in zahllosen hymnenhaften Biografien die Regel, man kann sie immer öfter auch bei seriösen journalistischen Erzeugnissen vernehmen.
Aber was ist überhaupt eine Legende? Laut „Wikipedia“ eine Erzählung, die quellenmäßig unverbürgt ist (so ähnlich wie manchmal auch „Wikipedia“). Will heißen: Der Verfasser, der das hohe Wort benutzt, hat selbst gar keinen Eindruck von der Sache oder Person erhaschen können, er kennt das „Legendäre“ nur vom Hörensagen, weiß also – böse gesagt – gar nicht, wovon er schreibt oder redet.
Aber weil es alle trotzdem tun, womöglich im ehrfurchtsvollen Glauben, dass an der Lobhudelei der zuvor studierten Quellen schon etwas dran sein mag, wird die Überhöhung wider besseres Wissen munter weiter betrieben, sodass es selbst in den Niederungen des Pubrock oder Kirmestechno zunehmend von Lichtgestalten wimmelt, als befänden wir uns im Pantheon der Musikgeschichte.
Dabei geschieht dies alles ja nicht einmal nur aus Unkenntnis. Manchmal scheinen mir auch Hybris und falsche Bescheidenheit im Spiel zu sein. Wie auf der Facebook-Seite eines mir bekannten Musikers und sehr lieben Kollegen, der seine eigene Jugendcombo dort als „legendär“ beschreibt – und dies, obwohl er ja persönlich dabei gewesen ist. Er hätte es also eigentlich besser wissen müssen.

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