Konzerte & Party

Lektionen in Demut

Hagen LiebingJa, ich habe es wirklich getan. Letzte Woche sah ich mir gleich zweimal freiwillig den Sängerwettstreit „The Voice Of Germany“ an. Trotz des billigen Eisverkäufercharmes von Juror Max Herre und trotz der aufdringlichen Prolo-Buddy-Posen seiner Kollegen von The BossHoss.
Und es hat sich gelohnt. Denn bislang dachte ich ja immer, in Castingshows gehe es nur ums Singen, ums Posen und vor allem ums Gewinnen. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit!
In Wirklichkeit sind diese Sendungen eine Lehrstunde in Verlieren! Es gilt dabei, dem Publikum vorzuführen, wie es Haltung in der Niederlage zeigt und wie es sich auch bei derben Demütigungen möglichst nichts anmerken lässt. Ich beobachtete beachtenswerte Übersprungshandlungen, bei denen die Unterlegenen fast schon beschützend den Sieger in den Arm nahmen. Obwohl ihnen eigentlich hundeelend zumute war.
Hier funktioniert der Trash von „The Voice“, „Germany’s Next Top Model“ und all den anderen Castingshows ganz gezielt als Bildungsfernsehen! Ein Format, das den Zuschauern dabei hilft, ihren zunehmend prekär werdenden Alltag möglichst klaglos und für ihre Umwelt störungsfrei zu ertragen. Am Ende machen sie es dann genauso wie die unterlegenen Kandidaten in der Show, nehmen ihren Chef tröstend in den Arm und bedauern ihn dafür, dass er ausgerechnet sie gerade hat feuern müssen …

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