Konzerte & Party

Leonard Cohen in der O2-World

Leonard Cohen„They never come back“, lautet eine Weisheit im Boxsport, nach der große Champions niemals zurückkehren und sich ihren Titel erfolgreich wiederholen. Im Musikgeschäft scheint diese Regel wirkungslos zu sein. Der kanadische Dichter, legendäre Herzensbrecher und gelegentliche Zen-Mönch Leonard Cohen ist ein lebendes Beispiel dafür. Als er im vergangenen Jahr zu einer Welttournee aufbrach, um das von seiner Managerin Kelley Lynch geplünderte Konto wieder aufzufüllen, war wohl den meisten Fans zwischen Montreal und München klar, es dürfte das letzte Mal sein, dass Cohen seine großen Songs live spielen wird. Dieser Mann, einer der bedeutendsten Songwriter des 20. Jahrhunderts, dem wir „Hallelujah„, „Suzanne“ und „So Long, Marianne“ verdanken, lebte damals in Abgeschiedenheit, war über 15 Jahre nicht mehr aufgetreten und hatte seinen 74. Geburtstag bereits hinter sich. Doch diese Lieder voller Demut und Trost, die weniger Liebesballaden sind als vielmehr Gebete, wollten offensichtlich noch einmal vom Verfasser selbst gesungen werden, nicht nur des Geldes wegen. Finanziell hat er sich und seine Kinder nun abgesichert, ans Aufhören denkt er dennoch nicht. Cohens abgründig sonore Stimme reifte während der Tour, er begann die Konzerte zu genießen, und seine Band schmolz zu einem geschmeidigen Ensemble zusammen, in dem die satten Klänge der Hammondorgel, virtuose Klarinet­tensolos, eine spanische Laute und nicht zuletzt der engelsgleiche Backgroundgesang der Webb-Schwestern Charley und Hattie seine Songs perfekt umgarnten. Auf der kürzlich erschienenen DVD „Live in London 2008“ ist solch ein grandioser Auftritt dokumentiert. Wer Cohen im letzten Jahr nicht selbst erlebt hat, sollte es also nachholen, denn irgendwann ist schließlich immer das letzte Mal.

Text: Jacek Slaski

Leonard Cohen, O2 World, Do 2.7., 20 Uhr, VVK: ab 51 Euro.

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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