Konzerte & Party

Linda Perhacs im Berghain

LindaPerhacsMusik für Steine, Flüsse und den Regen. Nur wenige Musikerinnen der goldenen Folk-Ära in den späten Sechzigerjahren haben ihre Liebe zur Natur so ernst genommen wie die gelernte Zahntechnikerin Linda Perhacs. Während sich die Vertreter der ersten L. A.-Singer/Songwriter-Fraktion in den urbanen Schutzraum des Laurel Canyon zurückzogen, ging Perhacs in die Natur und kehrte mit einer Fülle von Eindrücken und Klängen zurück. Das Resultat ihrer Exkursion war eines der betörendsten und filigransten Folk-Alben aller Zeiten. „Parallelograms“ aus dem Jahr 1970 besaß die Leichtigkeit eines Windhauches, der die pastelligen Klangfarben von Perhacs’ Stimme behutsam zerstob wie Blütenpollen.

Linda Perhacs erzählte später, dass die luftige Transparenz ihres kaskadenhaften Gesangs, der in seinen kräftigsten Momenten an Judee Sill oder Joni Mitchell erinnerte, vollauf beabsichtigt war. Zusammen mit ihrem Produzenten Leonard Rosenman wollte sie die Stimme als eigenständigen Klangkörper entdecken. Das war damals selbst im experimentierfreudigen Psych Folk ungehört, entsprechend modern klingt „Parallelograms“ noch heute.   


Damit kann man Linda Perhacs getrost als legitime Vorläuferin von Avantpop-Künstlerinnen wie Julia Holter und Channy Leaneagh (Poliça) betrachten, deren Song-Verständnis ebenfalls von den klanglichen Möglichkeiten der Stimme geprägt ist. 1970 aber war Perhacs allein auf weiter Flur und so geriet ihr bis heute einziges Album bald in Vergessenheit. Ihr erster Berlin-Auftritt nach fast vierzigjähriger Bühnenabstinenz ist also nicht nur eines der erstaunlichsten Comebacks der vergangenen Jahre (neben der wundersamen Wiederentdeckung von „… Sugar Man“ von Sixto Rodriguez), er bietet auch die seltene Gelegenheit, eine Musikerin live zu erleben, die so unterschiedliche Künstler wie Devendra Banhart und Daft Punk inspiriert hat.

Die robuste Industrie-Atmosphäre des Berghain mag auf den ersten Blick nicht unbedingt das geeignete Umfeld für eine Musik sein, die sich so konsequent der Synästhesie des Waldes verschrieben hat. Aber es dürfte wohl keinen Ort in Berlin geben, dessen Akustik sich besser für die zarten Phasenverschiebungen in Linda Perhacs’ Liedern eignet. 

Text: Andreas Busche

Linda Perhacs Berghain, Mo 18.11., 21 Uhr, VVK: 16 Ђ zzgl. Gebühr

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