Konzerte & Party

Lindsey Stirling im Lido

Lindsey Stirling

An ihr scheiden sich die Geister. Für in der Klassik bewanderte Hörer genügt ihr Geigenspiel nicht hohen Ansprüchen. Es höre sich etwas schrill an. Freunde von Dubstep, HipHop und Techno finden es positiv, dass ihnen genehme Beats zum Einsatz kommen. Aber die permanente Dominanz des Streichinstruments finden sie dann doch gewöhnungsbedürftig. Lindsey Stirling wird es egal sein. Die 26-Jährige weiß, dass sie es nicht allen recht machen kann. 2010 trat sie in der Fernsehsendung „America’s Got Talent“ an und kam bis ins Viertelfinale. Dann hatte jemand etwas an ihren Tanzschritten auszusetzen. Ein anderes Jurymitglied fand, dass diese Musik nicht nur von einer Person präsentiert werden sollte. Stirling war geschockt, immerhin spielt sie ihr Instrument schon seit dem fünften Lebensjahr voller Überzeugung. Aber das Negativerlebnis warf sie nicht aus der Bahn. Auch nicht die Reaktion von Plattenfirmen-Scouts, für die so eine Musik nicht zu vermarkten sei. Stirling vertraute auf ihren Stil und begann, mit einem Kameramann eigene Musikvideos zu drehen. Das zu „Crystallize“ entstand in einem sogenannten „Eisschloss“ in Colorado und sieht so beeindruckend aus, dass es schon 38 Millionen YouTube-Nutzer gesehen haben. An diese Zahl kommen selbst die bekanntesten Rockbands nicht heran. Das massive Interesse erklärt sich dadurch, dass es eine Musikerin wie diese sonst nicht gibt. Niemand spielt auf der Geige so eingängige Melodien und versetzt sie mit Beats, die nicht einfach nur als Klangkulisse mitlaufen. Als Hörer kann man zu Stirlings Stücken genauso tanzen wie es die Musikerin selbst tut. Das Zusammenspiel der Elemente funktioniert, wirkt harmonisch und wird nicht durch pompöse Profi-Partituren wie in David Garretts Rock-Sinfonien aufgeblasen. Dafür darf man ihr ruhig dankbar sein.

Text: Thomas Weiland

Foto: flickr.com/kightp

Lindsey Stirling, Lido, Di 15.1., 20 Uhr, ausverkauft

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