Konzerte & Party

Lindsey Stirling im Tempodrom

Lindsey Stirling

Zarte, liebliche Geigenmelodien, begleitet von wummernden Bässen, harten Techno-Beats und wabernden Synthies. Manche Kontraste scheinen zu hart, um sie vereinen zu können. Umso überraschender ist es, dass Lindsey Stirlings Klassik-Electro-Symbiose erstaunlich gut funktioniert. Ihr Geigenspiel, mal rhythmisch und schnell mit kurzen Strichen und Wurfbogen-Einsatz, mal lang gezogen und gebunden mit viel Vibrato auf den einzelnen Noten, fügt sich galant in die Dance-, Techno-, House- und Dubstep-Klangteppiche ein. Das Resultat ist weder eine archaisch anmutende Form von Electro noch eine zwanghaft auf Pop getrimmte Variante klassischer Musik, die im Kern dann doch traditionell bleibt (siehe David Garrett).
Ebenfalls falsch wäre es nun aber, zu behaupten, Lindsey Stirling hätte ein neues Genre erfunden. Im Grunde lässt sich ihr Sound ohne Probleme in eine Reihe mit Mainstream-Dance-DJs wie Calvin Harris, David Guetta oder Skrillex einordnen, mit dem einzigen Unterschied, dass sie anstatt menschlicher Stimmen ihre Geige singen lässt. Das Resultat dieses Austauschs ist natürlich eine weitaus komplexere Melodieführung, als man sie aus den üblichen Club-Nummern kennt, auf denen sich die Sänger ja gerne mal mit einem geringen Klangspektrum, den immer gleichen Dur-Harmonien und monotoner Rhythmik begnügen.
Lindsey Stirling bringt also etwas Anspruch ins Electro-Genre, ein Stück Kultiviertheit, das dem bisweilen stumpfsinnigen Techno-Bum-Bum diametral entgegengesetzt ist. Nur scheint dies gar nicht Lindsey Stirlings Anliegen zu sein, denn der Geigerin geht es, eigenen Angaben zufolge, sowohl bei ihrer Musik als auch bei ihren Live-Shows in erster Linie um Unterhaltung: „I always hated that I had to be so visually boring when I played the violin. I didn’t want to just impress people with my music, I wanted to fully entertain.“ Aus diesem Grund begleitet sie ihr Geigenspiel mit eigens konzipierten, äußerst eigenwilligen Tanzchoreografien.

Text: Henrike Möller

Foto: Universal Music.

Lindsey Stirling, Tempodrom, Mi 19.6., 20 Uhr, ausverkauft

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