Brasil

Liniker & Os Caramelows im Bi Nuu

Bei Liniker & Os Caramelows sind Geschlechtsmerkmale völlig egal

Wäre Liniker als Mädchen zur Welt gekommen, wäre sie auf den in Brasilien sehr exotischen Namen Heike getauft worden. Das verriet Liniker de Barros Ferreira dem sichtlich verblüfften Talkmaster Jo Soares, ein brasilia­nischer Jimmy Kimmel, in dessen Late­night-Show. Doch auch der Name, den die Eltern dem Baby schließlich ­gaben, ist sehr ungewöhnlich. Liniker ist eine orthografisch eigenwillige Hommage an den englischen Fußballspieler Gary Lineker, dem WM­-Tor­­schützen­könig von 1986. Was auch immer für sportliche Hoffnungen an das Kind mit der Namenswahl verbunden waren – statt Fußball zu spielen, verkleidete sich Klein-Liniker lieber als Pocahontas und zog auch sonst gern Mädchenkleider an.
Das irritierende Spiel mit Geschlechterrollen und -merkmalen prägt heute den Auftritt der charismatischen Sängerin aus São Paulo, die mit ihrer Band Os Caramelows zu den neuen heißen Acts der Megametropole zählt. Ihre erste Single „Zero“ erreichte mit dem dazugehörigen Video in kurzer Zeit Millionen Klicks; sie gewann den brasilianischen Musikpreis Multishow als aufregendste „Neuentdeckung“. Mit Kleid, Lippenstift und Schnurrbart mischt Liniker queere Attribute zu ihrer scheinbar maskulinen Soulstimme. Allerdings versteht sie sich nicht als Traves­tiekünstlerin, sondern will mit der Vermischung der Geschlechter auch die Unterschiede egalisieren. Schließlich macht sie auf brasilianischen Traditionen fußen­de Soulmusik. Die Seele hat kein Geschlecht.

Bi Nuu im U-Bhf. Schlesisches Tor, Kreuzberg, Do 8.6., 21 Uhr, VVK 17, AK 20 €

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