Konzerte & Party

Liturgy in der Kantine Berghain

Liturgy

Wer sein Black-Metal-Wissen ausschließlich aus dem Kultbuch „Lords of Chaos“ (über ?Kirchenanzünder und Hobby-Satanisten in den norwegischen Wäldern) bezieht, kann über Black Metal aus der Hipster-Hochburg Brooklyn natürlich nur schmunzeln. Tatsächlich hat Hunter Hunt-Hendrix, Mastermind der Band Liturgy, in der Vergangenheit immer wieder den Hass der Szene auf sich gezogen, weil er Stinkefinger-Pamphlete darüber veröffentlichte, wie er Black Metal von negativen Einflüssen befreien will. Totaler Eso-Quatsch, sagen die einen; andere dagegen finden Liturgy – wegen ihrer Ligeti-artigen Arrangements und der Drone-Qualität ihrer Powerakkorde wegweisend für das Genre. Unbestreitbar ist, dass sie mit Greg Fox einen der besten Drummer seiner Generation in ihren Reihen haben, der die hohe Kunst der Blastbeats wie kaum ein Zweiter beherrscht. „The Ark Work“, ihr drittes Album auf dem Indie-Label Thrill Jockey, ist auch als Reaktion auf die Anfeindungen der letzten Jahre zu verstehen. Liturgy haben sich von den Black-Metal-Einflüssen der frühen Platten entfernt, ohne dabei an Wucht einzubüßen: Heute machen sie sinfonischen Lärm, brutal und gleichzeitig filigran, ganz im Geiste der Noise-Väter Swans. „The Ark Work“ beginnt mit Fanfaren und Glockenspiel und klingt aus mit dem ?flirrenden Malstrom-Mantra „Total War“. Live ist das auch ohne Corpse Paint ziemlich niederschmetternd.

Text: Andreas Busche

Foto: Erez Avissar 

Liturgy + Pharoah Chromium, Berghain Kantine, Rüdersdorfer Straße 70, Friedrichshain, Mo 25.5., 21 Uhr, VVK: 12 Euro zzgl. Gebühr

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