Konzerte & Party

Live: „Bat For Lashes“ im Postbahnhof

Bat For LashesIrgendeine Studie hat Natasha Khans Wahlheimat Brighton mal als außerordentlich unspirituell eingestuft. Das britische Seebad sei statistisch der „unreligiöseste Ort“ von ganz England. Khan, die sich Bat For Lashes nennt, hält der Küstenstadt, in der weit und breit kein Steinkreis an keltische Urkräfte erinnert, dennoch die Treue. Hier hat sie Musik und Film studiert; hier hat sie auch ohne magische Umgebung eine Art ver­sponnenes kleines Gesamtkunstwerk ausgebrütet. Dabei ging ihr Debütalbum 2007 noch einigermaßen unter. Zu groß war der Hype um Londoner Girlies wie Kate Nash und Lily Allen. Nun aber, mit ihrem zweiten Album, scheint Khans Zeit gekommen. Auf „Two Suns“ gibt sich die Multiinstrumentalistin mit der klaren, durchscheinenden Stimme gewohnt erd­entrückt: Auf der Plattenhülle sieht die schöne Halbpakistani aus wie die Göttin Shiva samt Gretelzöpfen; die Songs wirken mit flirrenden Melodien und kühlem Synthie-Glanz so mys­tisch, als schreibe Khan sie generell nur in Neumondnächten.
Verstärkt wird der wunderliche Eindruck durch ihre Bühnenpräsenz. Dann schreitet sie, selten ohne exotischen Kopfschmuck, in eine Kulisse mit Hirschgeweihen, Weltkugeln, Rechenschiebern und anderen symbolträchtigen Requisiten. Dazu passt das Grundthema des Albums, zu dem unter anderen die Brooklyner Neohippies Yeasayer ihre Ethno-Grooves beisteuerten. Es geht um den Zwiespalt der menschlichen Natur und die Sehnsucht nach Einheit, mitunter singt Khan aus Sicht ihres imaginären Alter Egos namens „Pearl“. Ihre feine Stimme schwebt dabei über apart künstlichen Klangsphären, in denen das Klavier der Sängerin einen Son­derplatz einnimmt. Ein wenig Studiodekadenz der 80er liegt in der Luft, von Hochglanztruppen а la Fleetwood Mac und Talk Talk. Fraglos sind die 80er prägend für Khan; doch teils anders, als man denkt: Es sind vor allem Filmsoundtracks, die die 29-Jährige verinnerlicht hat: von „E.T.“, „The Goonies“ oder „Karate Kid“. Betrachtet man ihre verwunschenen Videos wie von „What’s A Girl To Do“, in dem die Sängerin per Pedale von Bär, Fuchs und Hase verfolgt wird, assoziiert man denn auch düstere Jugendstreifen а la „Donnie Darko“. Man malt sich Natasha Khan als stinknormalen Teenie aus – weniger als angehende Schamanin mit gespaltenem Selbst. Dabei steht ihr der Hauch des Mysteriösen doch ausgesprochen gut.

Text: Ulrike Rechel

Foto: David Sherry

tip-Bewertung: Verlässlich gut

Bat For Lashes, Postbahnhof, Di 12.5., 21 Uhr, VVK: 21 Euro, Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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