Konzerte & Party

Live in der Arena: Moriarty

MoriartyIn Frankreich kümmert man sich bekanntlich sehr fürsorglich um heimische Musiker – allein schon zur Pflege des eigenen wohltönenden Idioms. Bands, die lieber auf Englisch singen, haben es im Hoheitsgebiet des Chansons etwas schwerer. Moriarty etwa, die im mondänen Paris ein wenig wirken wie ein bunter Trupp Durchreisender. Dabei ist es für die fünf Bohemians nur natürlich, dass Sängerin Rosemary Standley ihre Storys auf Englisch singt, ist die Dame mit dem bleichen Teint und den Marilyn-Monroe-Lippen doch die Tochter eines amerikanischen Straßenmusikers. In ihren Songs kurbeln Moriarty denn auch gern Assoziationen in Richtung Roadmovie an. Gelegentlich schlägt Standley dafür einen ins Groteske spielenden Gesangston an, ihre Band stimmt mit rumpelndem Piano-Blues ein, würzt die Takte auch mal mit dem Geklapper von Silberlöffeln, Schreibmaschinentasten oder der Glo­cke einer Hotelrezeption. Ein bisschen überdreht wirkt die Cowboy-Camouflage der Pariser mitunter; doch ist ihr Faible fürs Theatralische bloß eine Seite. Nicht wenige Songs ihres Debütalbums „Gee Whiz But This Is A Lonesome Town“ wirken düster verträumt, die Arrangements um Kontrabass, Dobro und Mundharmonika bleiben halblaut und setzen eine stimmungsvolle Grundierung für Standleys Geschichten um Ausreißer, die es ins Unbestimmte zieht: um „Jimmy“ etwa, ein amerikanisches Landei, der die heimische Büffelranch hinter sich lässt, oder um „Private Lily“, eine Schulabgängerin, die sich aus Langeweile als Soldatin anwerben lässt. Es fällt nicht schwer, dabei an schwarzweiße Filmbilder zu denken, in denen die Moriarty-Figuren mit dünnen Beinen und großen Rucksäcken am Weges­rand stehen.

Text: Ulrike Rechel

Moriarty & Klez.e, Arena, Fr 31.7., 21 Uhr, VVK: 14 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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