Konzerte & Party

Live-Musik in Berliner Plattenbauwohnungen

PR_KantateMusikliebhaber streiten sich wie eh und je: Schallplatte oder CD? Oder gar doch MP3 oder Internet-Radio? Einigkeit gibt es Genre-übergreifend eigentlich nur einmal: Der Genuss einer Live-Band ist durch nichts zu toppen. Dieses macht sich nun die Berliner Wohnungsbaugesellschaft zu Nutze und startet das Projekt „plattenaufnahme.de“. Wer im heimischen Wohnzimmer die Puppen tanzen lassen möchte, kann sich bewerben. Einzige Voraussetzung: Die Wohnung muss zu einem Plattenbau gehören.

Das Projekt soll die „Platte“ wieder attraktiver machen. Neben neuen Mietern sollen auch Gewerbetreibende auf den Geschmack kommen, schließlich ist die Laufkundschaft groß und die Mieten billig. Der Leerstand ist seit der Wende in weiten Teilen Ostdeutschlands rapide angestiegen, zahlreiche Abrisse und sogar den Umzug ganzer Gebäude nach Russland hat es gegeben. Das Image der Plattenbauten lässt auch in Berlin nach wie vor zu wünschen übrig – trotz einiger Vorzeigeimmobilien in Mitte.

Dem soll das Projekt nun entgegensteuern. Das Konzept der Wohnzimmermusik ist zwar nicht ganz neu, doch die Umsetzung ist durchaus gelungen. Die Mieter, die ihre Räume für einen Gastauftritt zur Verfügung stellen, wissen nicht, welche Künstler sie besuchen und die Musiker, meist Berliner, die den großen Durchbruch in der Musikbranche noch vor sich haben, wissen nicht, wo sie spielen werden. Das ergibt einen besonderen Effekt, so die Veranstalter: „Die Mieter können ihre Gastfreundschaft zeigen, welche durch ein Gastgeschenk in jeder Folge untermauert wird und die Musiker bespielen eine Location, die sie nie zuvor gesehen haben, vor einem Publikum, welches oftmals keine Fans sind.“ Das ganze wird auf Video aufgenommen und anschließend in einem 10 minütigen Video im Internet präsentiert.

the_sheiningIn den ersten beiden Folgen bleibt der erhoffte Clash der Kulturen noch aus. So erinnert der Auftritt von „The Mint“ in einer WG in Mitte eher an eine handelsübliche Studentenfete, als an ein Zusammentreffen von Menschen aus den unterschiedlichsten kulturellen Ecken. Doch in den weiteren Folgen nimmt das Projekt Fahrt auf. So entert das Duo „The Scheining“ (Foto) mit Pappmasken vor dem Gesicht die holzgetäfelte Wohnung des Ehepaars Köhler, das, durchaus amüsiert, mit Porzellanservice und Rüschen-Tischdecke dagegen hält. Echte Lust am kulturellen Austausch gibt es bei Familie Alfandega aus Mosambik zu beobachten, die den türkischstämmigen Musiker „Chefket“ zu Besuch hat. Der Schwiegersohn des Familienvaters kommt auch aus der Türkei, da gibt es sofort etwas zu erzählen. Richtig viel zu gucken haben die Musiker von „Budzillus“ bei Vlad Korneev und seinem „Museum für skurille Objekte“. Die fünfköpfige Combo muss sich zwischen den ganzen Devotionalien erst einmal austoben, ehe die Verstärker aufgedreht werden.

PR Kantate (Foto oben) rückt schließlich den Leuten in einem Fahrstuhl mit seiner Ukulele auf die Pelle, Stil-echt im Liftboy-Outfit. Die Berliner Straßen-Lyrik kommt an, auch wenn der ein oder andere unfreiwillige „Konzert-Besucher“ sich beim Mitsingen schwertut. Jetzt fehlt eigentlich nur noch Kurt Krömer, so die Veranstalter auf ihrer Homepage. Genügend Plattenbauten gibt es schließlich auch in Neukölln. Aber Kiez-Promi hin oder her, der Beweis ist zumindest schon ein kleines Bisschen erbracht: Die Berliner Platte lebt!

Fotos: plattenaufnahme.de

Text: lk

www.plattenaufnahme.de

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