Konzerte & Party

LiveAtDot eröffnet am 1.Dezember

Die Bom-Fallends
Dort, wo Farbbeutelflecken seit Wochen die Fassade einer ame­rikanischen Fast-Food-Kette zieren, wo neuerdings hitzig über die Zusammenhänge von steigenden Mieten und zu schicken Turnschuhläden diskutiert wird, eröffnet am 1. Dezember mit einem Konzert der kanadischen Rock­band Danko Jones ein neuer Veranstaltungsraum. An der Falcken­steinstraße in den ehemaligen Räumen des 103 Clubs liegt er damit nicht nur stilistisch, sondern auch geografisch zwischen Clubs wie dem L.U.X. und der Mehrzweck-Arena an der Mühlenstraße. LiveAtDot lautet der etwas unglücklich gewählte Name, aber man kann ja nicht alles richtig machen.

Das Betreiberpaar, Trine Bom-Fallend aus Dänemark und der Österreicher Andreas Bom-Fallend, kamen vor über einem Jahr nach Berlin-Mitte. Der international studierte Musiker und die Businessmanagerin hatten das Konzept bereits in der Tasche, als sie hier nach Szeneexperten und geeigneten Räumen zur Umsetzung suchten. Sie fanden Till Harter, der sein 103 aufgeben wollte, und Musiker wie Marc Weiser von Rechenzentrum oder Daniel Meteo vom Label Shitkatapult, die ihnen nun beim Booking zur Seite stehen. Ihr Konzept hätte in jede größere Stadt gepasst, und auch die Musikszene findet Herr Bom-Fallend aufgrund von Technodominanz und alt gewordenen Musikern ohne finanziell begründetem Schaffensdruck eher etwas eingeschlafen. Aber nach Berlin wollten sie schon immer ziehen.

Ein klassisches Konzerthaus wollten sie schaffen, mit kleinen, feinen Speisen und zum Verweilen einladenden Bars. Irgendwann soll auch noch eine Galerie dazukommen. Das Kernstück allerdings – die vielleicht wegweisende Idee der beiden – ist die Bühne. Befreundete Sound-Physiker aus Österreich haben den Raum ausgelasert, die Anlage angepasst und die technischen sowie baulichen Vorgaben geliefert, um professionelle Aufnahmen der hier spielenden Bands zu ermöglichen. Plexiglasscheiben schirmen den Drummer vom Gitarristen ab, und professionelle Mischer kümmern sich um die Einstellungen der Regler.

Die Bom-FallendsVor allem kleine und neue Bands aus der Berliner Indie-E­cke sollen so die Möglichkeit erhalten, Mitschnitte ihrer Musik zu machen. Einen Tag lang Zeit bekommen sie in dem ungewöhnlichen Studio. Sie werden gefilmt und beraten, bevor sie am Abend das Konzert spielen. Drei Songs werden dann in den Partnerstudios fertiggemastert. All dies ist gratis und wird von einem stillen Teil­ha­ber, der ungenannt bleiben möch­te, unterstützt. LiveAtDot ist am künftigen Erlös der Aufnahmen beteiligt, das rechnet sich auf lange Sicht, glauben sie, und planen schon die Expandierung in andere Städte. So entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft vom Plattenfirmenriesen Uni­versal eine Konkurrenz, die den Bodensatz der Berliner Musikszene abgreifen will.

In den Räumen wird zunächst jedoch noch heftig gewerkelt. Die Wände haben schon ein neues Dunkelrot bekommen, zeigt Trine Bom-Fallend und erzählt vom geplanten „Clash-Design“. Farbbeutel wird hier wahrscheinlich niemand mehr werfen, dafür hat sich das neue Kreuzberg schon viel zu sehr an Musiksoftwarefirmen und silber glänzende Sneakerläden gewöhnt. Und warum auch sollte man Kreativität nicht professionalisieren dürfen?

Text: Laura Ewert

Opening Party mit Danko Jones
LiveAtDot, Falckensteinstraße 47, Mo 1.12., 20 Uhr

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