Konzerte & Party

Lonski & Classen am Freitag im Ballhaus Ost

Lonski & ClassenAus dem Barcode wächst ein Baum. Mit diesem Gleichnis auf dem Cover seines zweiten Albums „Climbing On Branches“ deutet das Duo Lonski & Classen eine sanfte Zäsur in der Berliner Poplandschaft an. Die Bollwerke der Spaßkultur werden sanft von neuer Verbindlichkeit durchdrungen. Dort, wo sich die urbane Massenkultur an den versteckten Sehnsüchten des Einzelnen reibt, klauben Projekte wie Lons­ki & Classen oder auch Raz Ohara And The Odd Orchestra ihre Geschichten auf. „Das Problem besteht ja darin, dass man sich immer mehr Grenzen setzt“, findet Raz Ohara. „Selbst als Künstler entwickelt man einen vorauseilenden Gehorsam. Erst wenn man sich seine individuelle Freiheit immer wieder bewusst vor Augen führt, kann man sich aus diesem äußeren Gefängnis befreien.“ Auf seinem neuen Album „II“ mischt der dänische Wahlberliner denn auch Elektrisches und Akustisches zur organischen Ganzheitlichkeit, ganz  frei von Szeneschablonen.
Ähnlich geht es Lonski & Classen. Die Songs ihres Albums sind mit dem sanften Fluss der Spree vergleichbar, an deren Ufer sie ihr Studio aufgeschlagen haben. Doch unter dieser intimen Oberfläche aus Gitarre, Schlagzeug und zurückhaltenden Electronics brodelt es. Geradeso wie im richtigen Leben. „Wir wollen mit unseren Songs – egal ob sie ruhig oder hek­tisch sind – so viel Kraft wie möglich freisetzen“, erklärt Lukas Lonski. „Kraft kann ja ganz viele Gesichter haben. Sie kann schweben, aber auch die Leute anschreien. Für mich ist es ein Riesenexperiment, so viele Kraftmodelle zu sammeln, wie man überhaupt projizieren oder erschaffen kann.“
Das besondere Mischungsverhältnis von Ruhe und Kraft, Beschaulichkeit und Hektik unterscheidet Berlin von anderen Metropolen wie New York, London oder Paris. Soundforscher Raz Ohara beginnt seine Songs auf der akustischen Gitarre, L&C haben ihre Loop-Station weggeschmissen, um sich selbst besser zu spüren. „Für mich hat unsere Musik nicht explizit etwas mit Berlin zu tun, aber man lebt hier und saugt die Stadt und ihr Lebensgefühl auf“, so Felix Classen. „In Rio würden wir wohl ganz andere Musik machen als am Schlesischen Tor.“

Text: Wolf Kampmann

Lonski & Classen Record-Release-Party, Ballhaus Ost, Fr 30.10., 21 Uhr, VVK: 9 Euro

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