Kommentar

„Losing My Religion“ von Stefan Hochgesand

Der Berliner DJ Dax J ist in Tunesien in Abwesenheit zu einem Jahr Knast verurteilt worden – weil er einen muslimischen Gebetsruf für einen Remix genutzt hatte

Stefan Hochgesand

Mit seinem DJ-Set in Hammamet habe er gegen „Anstand und öffentliche Moral“ verstoßen – so das Gericht. Die Behörden machten den Club dicht, und das Ministerium für Religionsfragen erklärte es für „absolut inakzeptabel, sich über die religiösen Prinzipien der Tunesier lustig zu machen“. Dax J entschuldigte sich. Fünf Jahre lang darf er nun nicht nach Tunesien – so lange gilt das Urteil.
Und, Berlin, wie hältst du’s mit der Religion? An einer Schule im Wedding darf eine Lehrerin ihre christliche Kreuzkette nicht mehr sichtbar tragen. Im Sinne des Berliner Neutralitätsgesetzes. Freilich waren die meisten Kreuzketten schon lange nicht mehr in Klassenräumen zu sehen, sondern in Hip-Hop -Videos, die nicht dem Neutralitätsgesetz unterliegen und von den Kids sicher weiter konsumiert werden. Dort darf mit goldener Bling-Bling-Mega-Kreuzkette vor Sportwagen posiert werden, deren Ökobilanz dem Gotteswerk nicht eben förderlich ist. Zeigen was man hat. So hat ja schon Max Weber die protestantische Ethik als Basis des American Dream beschrieben. Die Nachfolgerin von Papst-Schockerin Madonna, die katholische Lady Gaga, trägt auch meist Kreuzkette und kämpft zugleich anti-katholisch für gleiche Rechte für Queers. Dass das noch nötig ist – ein Kreuz!

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