Konzerte & Party

Lucinda Williams in der Apostel Paulus Kirche

Lucinda Williams

Es gibt gute Songs, es gibt sehr gute Songs, und es gibt Songs, die ein Leben verändern. Lucinda Williams hat alle im Gepäck. Bevor sie ein Stück ins Leben entlässt, muss es stimmen. Genau kondensieren, was sie beim Schreiben durchgemacht hat, es muss ehrlich und authentisch sein, Herzenskraft und Wortgewalt haben und keine Rücksicht auf Kritiker und Labelbosse nehmen. Dann nimmt die kompromisslose Songschmiedin es im Studio auf und zieht weiter. Seit über dreißig Jahren wird so ihr Leben getaktet, genau wie das ihrer Fans, die mit ihr gehen, mit ihr fühlen und wachsen. Die mit „Metal Firecracker“ abrocken, mit „Change The Locks“ Beziehungen beenden, mit „Sweet Side“ an Gefühlsstarre verzweifeln. Oder die wahlweise auch einfach mal abschalten und nur die vibrierende Stimme genießen, die sie verletzlich zeigt, die aber auch durch den wurzeltiefen Ton ihrer southern geprägten Musik gut geschützt ist. „Meine Songs fangen immer mit etwas sehr Persönlichem an und erst dann entwickele ich die größere Perspektive.“ Dieses Prinzip hat Lucinda Williams zur genauen Beobachterin werden lassen, ihr Blick richtet sich auf das Psychische. „Blessed“ heißt nicht ohne Herausforderung ihr letztes Album, auf dem sie dokumentiert, dass nahezu jeder, den sie dazu befragt hat, einen Grund hatte, dankbar zu sein, dass das äußere Bild von Benachteiligung nicht immer mit der Fähigkeit, Glück und Liebe zu empfinden, identisch sein muss. Sie selber kennt Differenz nur zu gut. Zu oft hat sie sich in ihrem Leben als zu traurig (too blue) und zu kompliziert wahrgenommen, als inkongruent mit all den schönen Abziehbildern der Glücks- und Happiness-Maschinerie. Und es hat lange gedauert, dass sie endlich einen, ihren „Soulmate“ getroffen hat, wie sie Ehemann Tom Overby nennt. „Protection“ heißt einer ihrer neuen Songs, von Dan Penns frühen R&B-Aufnahmen inspiriert, die sie schon bald mit Joe Henry als Produzent für ein neues Album einspielen wird. Gegen die Feinde der Liebe, des Guten, der Gerechtigkeit – dabei kann wohl jeder Schutz gut gebrauchen. Und wie steckt sie es weg, als Vertreterin der Generation Ewig Jung im Januar 60 Jahre alt geworden zu sein? „Ich sehe das Leben so wie immer, ich bin immer noch idealistisch, ein bisschen unsicher in mancher Hinsicht, die körperlichen Veränderungen sind vielleicht die größten Herausforderungen, einfach weil sie nicht vertraut sind. Auf Fotos sehe ich neuerdings so aus, als ob ich ständig die Stirn runzele. Aber mein Ehemann ermahnt mich dann und sagt: Du siehst wunderschön aus und hör auf davon zu reden … (lacht).“

Text: Christine Heise

Lucinda Williams, Apostel Paulus Kirche, Di 4.6., 20 Uhr, VVK: 33 Euro zzgl. Gebühr

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