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The Lumineers: The Lumineers

The LumineersImmer wieder gibt es Bands, deren Gründungsgeschichte vom puren Überlebenswillen gekennzeichnet ist. Ihre Musik löst ungewöhnlich starke Resonanz aus, selbst wenn einzelne Stücke unfertig erscheinen, wie gleich zu Beginn dieses Debütalbums „Flowers In Your Hair“, das nach keinen zwei Minuten abrupt abbricht. Das Trio The Lumineers setzt die Pistole auf die Brust: „It’s better to feel pain than nothing at all/The opposite of love is indifference“ heißt es in „Stubborn Love“.
Wir befinden uns mit „The Lumineers“ mitten in der Euphorie des keineswegs schon wieder verblühten, lediglich Luft holenden neuen Folkrocks, den Bands wie Mumford & Sons, The Avett Brothers und The Decemberists losgetreten haben. Schmerz und Freude liegen hier nah beieinander. Und der lebhafte, soundprägende Einsatz von Banjo, Piano und Cello ist bei dieser neuen Bandgeneration so selbstverständlich, wie einst die Mundharmonika bei Bob Dylan. Lumineers Songwriter Wesley Schultz offenbart in „Dead Sea“ die Tücken seines Weges: „I headed west I was a man on the move/New York it lied to me I needed the truth“, eine ergreifende, sich hymnisch entwickelnde Ballade vom Durchbeißen und Überleben, als hätte Ryan Adams bei den Avett Brothers angeheuert. In Denver, Colorado, fand er schließlich Gleichgesinnte und stürzte unmittelbar in das nächste Drama: den Drogentod des Freundes und Bruder von Drummer Jeremiah.
Dass die Musik zwischen überschlagendem Jubel und dunkelwolkiger Ernsthaftigkeit pendelt, ist verständlich und ursächlich für den großen Zuspruch, den diese Newcomer Band erfährt. Sie tragen ihr Herz auf der Zunge, verschmelzen im Harmoniegesang und lassen alles Kalkulierte und Abgezirkelte des Popbetriebes vermissen. Sie sind sowohl entwaffnend persönlich als auch politisch. Eine dieser selten gewordenen „Do or die“–Bands, der die Herzen nur so zufliegen werden.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

The Lumineers, The Lumineers (Dualtone)

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