Konzerte & Party

M.I.A.: „Maya“

M.I.A. Aus ihrer politischen Motivation hatte diese Frau noch nie einen Hehl gemacht. Jeder weiß um das tamilische Kämpferherz, das sie von ihrem Vater geerbt hat. Aber das jüngst veröffentlichte Video zu „Born Free“ überrascht dann doch. Eine außer Rand und Band geratene amerikanische SWAT-Einheit, die Jagd auf Rothaarige macht und sie mit brutalen Mitteln eliminiert? Überzogen, so die einhellige Meinung.
Und Maya Arulpragasam hat sich mit dem Kurzfilm keineswegs abreagiert. Im Intro zum neuen Album vertritt sie die These, dass heute alles in eine Richtung verbunden und vernetzt sei: Smartphones, Internet oder Suchmaschinen führten direkt zur Regierung. Die Frau befürchtet Kontrolle und Einschränkung der Meinungsfreiheit und kündigt Widerstand an: „I really love a lot but I fight the ones that fight me.“
Man freut sich ja über jeden Hauch eines zeitkritischen Diskurses, er ist im Pop der Gegenwart eher die Ausnahme. Auf „Maya“ kommt es aber nicht nur auf den Inhalt an, auch musikalisch tut sich einiges. Nur zwei Titel sind in Zusammenarbeit mit dem langjährigen Produzenten und Partner Diplo entstanden. „It Takes A Muscle“ erinnert an die Reggae-Ska-Exkursionen mit Major Lazer, „Tell Me Why“ basiert auf Beat-Geknatter, das an „Paper Planes“ angelehnt ist. Für neuen Input sorgt der britische Dubstep-Tüftler Rusko, der in „Steppin Up“ die Kettensäge anwirft und den Rap über einen langsamen Beat und tiefe Bassdetonationen laufen lässt. Auch der Beitrag von Derek E. Miller fällt auf. Er veröffentlicht sonst als eine Hälfte des Duos Sleigh Bells auf Mayas Label N.E.E.T. und liefert für „Meds And Feds“ Laptop-Sound mit laut aufschreiender Gitarre und krassen Übersteuerungen ab.  
Die 35-Jährige lässt sich von allem Möglichen beeinflussen, von Protestkundgebungen, digitalen Medien und Clubatmosphäre. Daraus entwickelt sie einen Sound, der kratzt, beißt, auch mal liebkost und immer Hunger auf Innovation erkennen lässt. Die Kämpferin marschiert weiter voran.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

M.I.A., „Maya“ (XL/Indigo)

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