Konzerte & Party

Madonna: MDNA

Madonna: MDNAIn der Popmusik geht es auch immer darum, das zu übertreffen, was man vorher gemacht hat. Gleichzeitig muss es brandaktuell sein. Vollprofi Madonna weiß das natürlich. Für „Girl Gone Wild“ hat sie sich eine Trance-Techno-Kulisse zurechtzimmern lassen, auf der Stimme liegen Effekte, und der Rest ist praktisch ein 2012er-Update von Cyndi Laupers „Girls Just Wanna Have Fun“.
Der Spaß geht noch weiter. „Gang Bang“ ist der extremste Song, den Madonna je aufgenommen hat. „Bang bang, shot you dead, shot my lover in the head“, singt sie in diesem überzogenen Eifersuchtsdrama. Der dieses Mal finstere Techno wird an einer Stelle von einem Brutalo-Break nach Art von Skrillex unterbrochen. „Drive, bitch, and while you’re at it die, bitch“, faucht die Sängerin im Stil einer Gangsterbraut aus einem Actionfilm. Produziert hat William Orbit, der vor zwölf Jahren schon für das wesentlich zahmere Album „Ray Of Light“ zuständig war. Jetzt musste er seiner bekanntesten Auftraggeberin dabei helfen, auf den Wahnsinn von Lady Gaga zu reagieren. Madge fühlt sich herausgefordert und will sich nicht geschlagen geben. Dass sie in diesem Punkt nicht besorgt sein muss, bestätigt ihr Nicki Minaj, die neue Luder-Barbie des Rap, in einem Gastauftritt: „There’s only one queen, and that’s Madonna.“
Die Königin gibt Vollgas. Aber es gibt auch Momente, in denen sie zurückschaltet. In „Turn Up The Radio“ pumpt der Beat ganz schön, der Gesang erinnert dagegen an die Madonna früherer Tage. Dass sich Orbit auf den Gebieten von Ambient und Klassik auskennt, hört man an „Falling Free“. Unbedingt empfehlenswert sind auch die Tracks auf der Deluxe-Version, die unkomplizierter daherkommen und sich vom Hightech-Terror des Hauptalbums abheben. Alles in allem ist „MDNA“ kein Madonna-Klassiker, dafür fehlen die unwiderstehlichen Hits. Der Tiefpunkt mit „Hard Candy“ ist aber überwunden.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Annehmbar

Madonna, MDNA (Live Nation/Universal)

Mehr über Cookies erfahren