Konzerte & Party

MaerzMusik 2015

Berno Odo Polzer

Der neue Schriftzug, das neue Logo der MaerzMusik ist schon mal super! Weniger, weil es jetzt „Festival für Zeitfragen“ heißt. Was ein bisschen prätentiös klingen könnte. Sondern vielmehr, weil die verzitternden Ränder, das Design-Schleudertrauma der äußeren Buchstaben des Logos dem Betrachter den Eindruck geben, man müsse dringend mal wieder zum Augenarzt.
Besser als zum Ohrenarzt! Dann nämlich wäre man verloren bei Georg Friedrich Haas’ Streichquartett Nr. 3 „In iij. Noct“, welches in völliger Dunkelheit aufzuführen ist (Haus der Festspiele, 21. März, 21 Uhr). Auch bei John Cages achtstündiger Klangprojektion „Diary“ ist vom Sprecher nichts zu sehen; die Stimme des Komponisten kommt vom Band (Liquidrom am Tempodrom, 23. März, 15.30 bis 23.30 Uhr). Chaya Czernowin schließlich – dritte wichtige Komponistin dieses Jahres – bietet bei „Hidden“ ein Hörtheater, das „unsere Ohren zu Augen werden lässt“ (Heimathafen, 24. März, 22 Uhr). Kurzum: Augen zu und durch!
Widmungsträger in diesem Jahr ist der griechische Komponist Georges Aperghis, dem fünf Veranstaltungen gewidmet sind. Neben fast zwei Dutzend Musiktheaterwerken komponierte Aperghis Stücke für buchstäblich jede Besetzung. Ein Њuvre von so ausgreifender Solidität, wie es in seiner französischen Wahlheimat sonst beispiellos ist. In Berlin gibt es seine „Rйcitations“ für Stimme (Haus der Festspiele, 23. März, 19.30 Uhr), Solowerke für Schlagzeug, Viola, Kontrabass und Kontrabassklarinette (Haus der Festspiele, 24. März, 19.30 Uhr), ebenso sein neuestes Werk „Situations“ für 23 Solisten (Kammermusiksaal, 25. März, 19.30 Uhr) sowie Filme und Gespräche. Ein Werkporträt, wie es so umfassend noch nicht zu erleben war.
Die Neigung fast aller zeitgenössischen Musik zum akustischen Rauschgold dürfte auch diesem Neustart anzuhören sein. Allerdings gibt sich das Festival intellektueller, als man sich dies im Gemischtwarenladen des Vorgängerintendanten Matthias Osterwold je hätte träumen lassen. Der Neue heißt Berno Odo Polzer (Foto), stammt aus Österreich und war neun Jahre lang Kurator und künstlerischer Leiter des Musikfestivals Wien Modern.
Weg von der Kirmes! Hin zur Kinesiologie kühner Gegenwartsdiagnostik! – das ist offenbar der Schlachtruf des neuen Regimes. Also: weg von der Ranschmeiße und zurück zum Diskurs und zur Dialektik.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: © Lucie Jansch

MaerzMusik, Haus der Berliner Festspiele u. a., Fr 20.3. bis So 29.3., unterschiedliche Anfangszeiten, ?Karten-Tel. 25 48 91 00

www.berlinerfestspiele.de/maerzmusik

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