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Maerzmusik 2017: Gespräch mit der Sound-Künstlerin und Komponistin Catherine Christer Hennix

„Ich mag keine Musik von heute“ – Die in Berlin lebende Sound-Künstlerin und Komponistin Catherine Christer Hennix gilt als Legende der Minimal Music. Das diesjährige Maerzmusik-Festival widmet sich ihr ausführlich

Foto: Laura Gianetti

Catherine Christer Hennix Die schwedisch-amerikanische Klangpionierin, die 1948 geboren wurde, entwickelte – inspiriert von orientalischer Musik – früh Drones, schwebende, auf körperliche Wirkung zielende Klangflächen. Bei der diesjährigen Maerzmusik wird sie gleich mehrere Auftritte haben

tip Frau Hennix, Sie werden als Klangkünstlerin und Komponistin der Minimal Music zugeordnet – ein weit gefasster Begriff.
Catherine Christer Hennix Minimal Music bedeutet heutzutage so viel. Meine Idee war ursprünglich, einfach mehr mit weniger zu machen. In den 70er-Jahren in Schweden hatte ich eine Band namens The Deontic Miracle. Wir waren lauter als eine Rockband.

tip
Tatsächlich?
Catherine Christer Hennix Ja. Manchmal sagen die Leute, ich sei zu laut. Aber das Publikum muss für eine komplette Erfahrung alle Level durchlaufen.

tip Der Auftakt der Maerzmusik wird ihr Stück „The Electric Harpsichord“ sein. Das ist Legende, weil Sie es 1976 nur wenige Male und – bis zu seiner Veröffentlichung 2010 – nie wieder aufgeführt haben. Wieso hielten Sie das Stück so lange zurück?
Catherine Christer Hennix Ich hatte kein Keyboard mehr, kein Studio. Mich hat keiner gefragt, es aufzuführen. Das ganze Equipment war nicht zu finanzieren.

tip „The Electric Harpsichord“ ist sehr psychedelisch. Ist ihre Musik generell wie ein Drogen-Trip?
Catherine Christer Hennix Naja, so wie jede Kunst, jedes Gedicht, Buch oder  Hörspiel ein Trip ist, der unser Bewusstsein erweitert. Aber es gibt keine Story. Die Story bist immer du selbst.

tip Was heißt das?
Catherine Christer Hennix Es gibt nicht den einen Sinn. Jeder soll seinen eigenen Sinn in der Musik finden, ausgehend von seinen ganz persönlichen Erfahrungen. Die Vorstellung, der Komponist könnte auf den Zuhörer mit seiner Komposition Einfluss nehmen, ist eine erstaunliche Idee. Es gibt in Indien eine Theorie namens „Rasa“, nach der ein Komponist seine inneren Gefühlswelten auf den Zuhörenden mit den Mitteln seiner Musik überträgt.  Aber keiner glaubt wirklich daran, es ist reine Theorie, wenn auch eine wünschenswerte.

tip Aber Ihre Musik scheint den Körper trotzdem konkret in Vibrationen zu versetzen?
Catherine Christer Hennix Jede Musik ist Vibration. Der ganze Kosmos ist eine einzig vibrierende Unendlichkeit. ­Vibration ist ein universales Phänomen, es existiert die ganze Zeit. Auch wenn du schlafen gehst, die Vibration geht weiter. Sie kümmert sich nicht um das, was wir tun, sie ist immer da. Das Universum geht niemals schlafen, es ist immer wach und in Funktion.

tip Sie sind nicht nur Komponistin und Sound-Künstlerin, sondern auch Mathematikerin und Philosophin. Was verbindet die Philosophie und die Musik?
Catherine Christer Hennix Ja, ich philosophiere, aber ich bin keine Philosophin. Die Leute nennen mich so. Wenn du dich mit Mathematik beschäftigst, gibt es dort eine Menge an tiefen philosophischen Problemen. Und die Musik ist ein physikalisches Phänomen. So ist alles miteinander verbunden. Fragen in der Mathematik können ebensogut aus der Musik kommen. Dazwischen steht die Physik – wie funktionieren die Lautsprecher, die Mikrofone. Im früheren Quadrivium…

tip …der mittelalterlichen Einteilung mathematischer Fächer…
Catherine Christer Hennix …war die Musik genauso Bestandteil wie die Mathematik. Heute ist Musik reines Entertainment, ein kommerzielles Produkt. Ein Großteil des europäischen Systems meidet jegliche östlich geprägten Einstellungen. Ich mag überhaupt keine Musik, die heute entsteht, alles ist ziemlich schrecklich meiner Meinung nach.

Maerzmusik Haus der Berliner Festspiele, Radialsystem, UdK, Silent Green u.a. Orte, Do 16.–So 26.3.,
Programm: berlinerfestspiele.de/maerzmusik

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