Konzerte & Party

Magnetic Fields in der Passionskirche

The Magnetic Fields

Bei technikbezogenen Fragen blüht Merritt, der in Interviews ziemlich knurrig sein kann und berüchtigt ist für extrem lange Gesprächspausen, spürbar auf: „Es gibt schöne Geräte wie zum Beispiel der ‚Folktek Micro Garden‘. Das Ding ist elektro-akustisch, auf der Platte ist es etwa auf dem Song ‚All She Cares About Is Mariachi‘ zu hören. Es klingt erst wie knisternde Blätter, dann wie galoppierende Pferde. Stellen Sie es sich vor wie eine Holzkiste, aus der Grashalme rauswachsen. Das sind Saiten, die mit einem Tonabnehmer im Innern verbunden sind. Oben sind sie lose, man kann sie kratzen, drücken oder gerade ziehen. Damit kann man immer neue Klänge erfinden.“
Nicht ganz so liebevoll spricht er über sein natürliches Hauptinstrument: seinen warmen Bassbariton. „Ich mag singen nicht besonders; ich bin kein Fan meiner Stimme„, bekennt er. „Lieber wäre ich Ronnie Spector. Das Problem ist auch meine Körpergröße. Ich denke, wenn ich größer wäre, könnte sich meine tiefe Stimme vielleicht in der Art entfalten wie Nick Cave oder Lee Hazlewood oder Johnny Cash. Aber wenn ich singe, klingt das mehr wie ein Zwerg, der versucht, Nick Cave oder Lee Hazlewood oder Johnny Cash zu imitieren. Tiefe Stimmen haben natürlich ihren Reiz. Wenn jemand mit einer großen, tiefen Stimme singt, dann denkt man wohl intuitiv: ‚Oh, Daddy’s home!‘. Aber diese Art Stimme habe ich nicht, ich habe nicht den Korpus, nicht die Luft dafür. Meine Stimme würde ich niemandem wünschen.“
Von Fans wird eben dieses brummelige Timbre heiß geliebt. Es passt nun mal goldrichtig zu seinem Besitzer, der seine Inspiration gern bei ein paar Gläsern Brandy findet. „Ich gehe gern in die Bar, um auf Songideen zu kommen. Ich mag es, wenn dabei Musik läuft, idealerweise mittellaute Musik, die laut genug ist, um sich über die Musik in meinem Kopf zu legen, aber nicht so laut, dass sie mir im Ohr weh tut.“ Nach leicht rauschhaften Barfantasien klingen nicht wenige Songs des neuen Albums. „Andrew in Drag“ etwa, in dem Merritt eine Geschichte ausmalt, in der ein Mann in Frauenkleider schlüpft und plötzlich die Liebe seines besten Freundes auf sich zieht. Es ist mal wieder ein verrückter kleiner Ohrwurm über eine schieflaufende Liebe. Darauf versteht sich Merritt meisterlich. Doch ein Konzeptalbum voller Lovesongs hat er ja schon mal gemacht.

Text: Ulrike Rechel

The Magnetic Fields, Passionskirche, Mo 14.5., 20 Uhr, VVK: 28 Euro

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