Konzerte & Party

The Magnetic Fields im Babylon Mitte

The Magnetic FieldsKürzlich zeigte eine Boulevardzeitung einen Fotobeleg, wo­nach Heidi Klum ihre imposanten Ganzkörperwerbefotos stark nachbearbeiten lässt. Jemanden wie Stephin Merritt (Foto) versetzt so was möglicherweise ins Sinnieren. Über Wahrheit und Fake; und ob die Werbe-Klum nicht in Wirklichkeit die wahre Klum ist. Die Frage nach Sein und Schein und der Position der Kunst dazwischen hat den konzeptbegeis­terten Songwriter zu einem Zwillingsalbum inspiriert. „True“ und „False“ sollte das Doppel seiner Band Magnetic Fields erst heißen: Eine Scheibe sollte reich verzerrt krachen; die folgende sich selbstgenügsam auf Akus­tiktöne beschränken. Die Namensgebung aber verwarf Merritt wieder; zu kniffelig die Frage, „welches von beiden ‚True‘ und welches ‚False‘ sein sollte“. Die Grundidee aber funktioniert. 2007 erschien die beherzte Verbeugung vor dem großen, verwaschenen Sound von The Jesus & Mary Chain. „Distortion“ hieß das süßmelodische Werk schlüssig. Der Nachfolger heißt nun schelmisch „Realism“. Produziert hat es der Wahlkalifornier im naturbelassenen Wohnzimmerstil, auch mal im eigenen Badezimmer, mit Fokus auf den Eigenklang der Instrumente. Die Akustikgitarre ist nur eine von vielen in der elektrofreien Palette. In „I Don’t Know What To Say“ perlt etwa Harfe, im Twee-Popstückchen „The Doll’s Tea Party“ klimpert Toy Piano, das tränentreibende „Seduced And Abandoned“ bezaubert mit der Tuba als Bass. Viele der sympathisch naiven Melodien klingen irgendwie vertraut – wie lang vergessene Folkweisen oder auch Songs aus Filmen – ein biss­chen Surrealismus auf dem Pfad der Wahrheitsfindung.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Marcelo Krasilcic

The Magnetic Fields, Babylon Mitte, Sa 27.3., 21 Uhr, VVK: 22 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

Mehr über Cookies erfahren