Konzerte & Party

Major Lazer im WMF

Major Lazer

tip Andere Produzenten haben einen festen Stil, bei Ihnen geht scheinbar alles. Warum ist das so?
Diplo Ich habe so etwas wie ein John-Peel-Gen in mir. Ich bin immer offen für alles und kann mich gut in neuen Sound hineinsteigern. Wenn ich auflege, mixe ich so viele Stücke aus so vielen Genres wie möglich ineinander, ich brauche die Abwechslung. Zurzeit bin ich mit einem Remix für The Dead Weather beschäftigt. Dann stelle ich dieser Tage den Film „Favela on Blast“ vor, der sich mit dem Sound in den Elendsvierteln von Rio beschäftigt (soeben in der Maria geschehen, d. Verf.). Das Album von Dubstep-Produzent Rusko muss auf dem Label Mad Decent an den Start gebracht werden. Außerdem arbeite ich an einem Album, das wie ganz früher in die Trip-Hop-Richtung geht.

tip Und nun auch noch Reggae und Dancehall mit Major Lazer. Was hat Sie daran gereizt?
Diplo Diese Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Ich komme aus Florida, wo sich Leute aus der Karibik in Parks und an Plätzen treffen und spontan Jams veranstalten. Als Kind habe ich im Fernsehen Sendungen gesehen, in denen Videos von Patra, Eek-A-Mouse oder Shabba Ranks liefen. In allen größeren Städten an der Ostküste gibt es eine karibische Gemeinde. Ich lebe jetzt in einer Gegend von Philadelphia, wo um die Ecke viele Leute aus Guayana leben. Mir war schon länger klar, dass ich mich irgendwann eingehender mit Reggae und Dancehall beschäftigen werde.

tip Auffällig ist, dass sich Ihr Ansatz von dem gängigen in Jamaika unterscheidet. Bei Ihnen hört sich Dancehall verspielt und nicht so ernst an.
Diplo Absolut. Als ich Dancehall zum ersten Mal hörte, war da überhaupt nichts grimmig und ernst. Das ist jetzt leider anders. Es geht ständig um Gangster und Knarren, die Deejays protzen, keifen und lechzen bloß. Für mich ist es schon wichtig, dass Musik Lebensfreude ausdrückt, sonst macht es für mich keinen Sinn. Mir und meinem Partner Switch war es auch wichtig, nicht zu authentisch zu sein. Wir haben zwar in Kingston aufgenommen, aber es gibt auch indische Einflüsse, Fiedeln aus Irland oder Trance-Techno-Sounds zu hören. Eines Tages hatten wir die Idee, die Stimme eines Babys mit dem Auto-Tune-Effekt zu versetzen. Das ist Ausdruck unserer Persönlichkeit.

Major Lazertip Haben Sie Lust, der nächste Starproduzent zu werden?
Diplo Überhaupt nicht. Ich bin ein Kind des Untergrunds und möchte da sein, wo der heiße Scheiß stattfindet. Auf Tour zu gehen und nur meinen Namen oder eine Platte zu pushen wäre mir echt zu blöd. Ich will kein Superstar wie Moby und auch kein Millionär wie Pharrell Williams sein. Ich möchte mit anderen Leuten zusammenarbeiten, weil ich mit den Ideen anderer Leute oft mehr anfangen kann als mit meinen eigenen.

tip Mit Maya alias M.I.A. hatten sie mehr als eine Arbeitsbeziehung. Warum ging das schief?
Diplo Ich war ihr Freund, Produzent, DJ und Bühnenmanager, das war ganz schön stressig. Mich erreichten Anfragen von Santogold, Amanda Blank und Bonde Do Rolк, das gefiel ihr überhaupt nicht. Ich konnte auch Mad Decent nicht einfach links liegen lassen, dafür haben die Künstler auf dem Label zu viel Potenzial. Man braucht schon seine Muse, aber am Ende muss man sich entscheiden. Frauen sind großartig, aber sie wollen nicht, dass man fremdgeht. Dann hassen sie dich.

Interview: Thomas Weiland

Fotos: Shane McCauley

Major Lazer + Paul Devro + Sick Girls, WMF, Fr 11.9., 23 Uhr, VVK: 13 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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