Konzerte & Party

Mando Diao in der Columbiahalle

Mando DiaoUnlängst hockten Mando Diao im ZDF-Studio, nach ihrem Auftritt bei „Wetten, dass …?“. Dort beantworteten die Schweden die üblichen Fragen zu ihrem harten Tour-Pensum (bis zum vorigen Album waren es sechs Jahre nonstop) und darüber, ob sie nicht mal auf Schwedisch singen wollen (eher nicht). Am Interessantes­ten fanden sie noch die Anmerkung der Interviewerin, dass es mit den Retro-Rockern aus Borlänge erstmals eine „Indie-Band“ in die Wett­­show geschafft habe. Man kann es aber auch umgekehrt sehen. Die dauertourenden Sixties-Connaisseure haben sich längst aus der Indie-Laufbahn verabschiedet, sind dabei gleichzeitig lässig am Heer der Casting-Mu­sikanten vorbeigezogen. Wenn Mando Diao mit Ohrwürmern wie „Down In The Past“ oder dem jüngsten Über­flieger-Hit „Dance With Some­body“ die Hallen Europas bespielen, dann gehören heute krei­schen­de Teenie-Horden dazu wie früher schmale Indie-Jungs in Kapuzenjacken. Das Ungewohn­te für „Wetten, dass …?“-Zuschauer ist nur, dass das Quintett um Schönling Gustav Norйn und Haudegen Björn Dixgеrd eine echte Rock­band aus einem echten Provinzkaff ist – ausgestattet mit einem Image als arrogante Outlaws in Lederjacken, die kein TV-Caster hätte stimmiger stylen können. Gut, dass die fünf mehr drauf­haben, als Sprüche zu klopfen. „Give Me Fire!“, das fünfte Album seit 2004, ist eins ihrer besten. Die geballten Melodien sind infektiös wie auf dem rauen Erstling „Bring ’Em In“. Dabei ist der orchestergespickte, stringente Klang heute meilenweit entfernt vom Garage-Sound der frühen Tage. Eher denkt man an ein edel zerschlissenes Filmtheater, in dem gerade der Abspann läuft; vielleicht von einem Spaghettiwes­tern mit Claudia Cardinale. Eigent­lich viel zu schade für die Fernsehbühne.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Baldur Bragason

Mando Diao, Columbiahalle, Do 9.4., 20 Uhr, VVK: 25 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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