Konzerte & Party

Manfred Maurenbrecher im Mehringhof-Theater

Manfred Maurenbrecher

Aus Anlass des 70. Geburtstags von Bob Dylan erschien in der „Süddeutschen Zeitung“ ein Aufsatz von Markus Berges. Darin beklagte sich der Sänger der Band Erdmöbel, dass er regelmäßig scheitert, wenn er einen Text von Dylan ins Deutsche übersetzen will. Da hat Manfred Maurenbrecher ganz andere Erfahrungen gemacht. Bei ihm war die deutsche Fassung von „Death Is Not the End“ an einem Abend fertig. Es ist nicht der einzige Song aus fremder Feder auf „No Go“, dem neuen Album des Berliner Liedermachers. Woody Guthries „So Long, It’s Been Good to Yuh“ heißt bei ihm „Staubiger Staub“ und eine räudige Folk-Punk-Version des Volkslieds „Freut euch des Lebens“ ist ebenfalls enthalten. Da stutzt man im ersten Moment. Maurenbrecher schreibt eigentlich genügend eigene Songs, die auf eine Veröffentlichung warten.
Aber dieses Mal wollte der promovierte Literaturwissenschaftler vieles anders machen. Er hat ausschließlich auf Material zurückgegriffen, das in den vergangenen 24 Monaten entstanden ist. Ältere Stücke aus dem Archiv blieben außen vor. Aufgenommen hat er das Album mit Band an fünf Tagen in den Räumen der Weddinger Galerie Laine-Art. Im Gegensatz zu sonst gab es kaum Nachbearbeitungen. Und es fällt auf, dass der 62-Jährige kein Blatt vor den Mund nimmt: „Ich habe mir zuerst gedacht, dass ich so was doch nicht machen kann. Ich könne doch unmöglich schreiben, die Welt sei am Durchdrehen. Doch dann hatte ich keine Bedenken mehr. Ich sagte mir: Wenn ich mich politisch engagierter fühle und den Sturm der Entrüstung in mir spüre, darf das ruhig raus.“ Von dieser Direktheit profitiert Maurenbrecher. Früher machte er auf seinen Platten Umwege und verstrickte sich mitunter in zähe Erzählstücke. Jetzt klingt alles klar und komprimiert, ob mit Dylan-Text oder ohne. Seine späte Blüte nimmt beachtliche Formen an.

Text: Thomas Weiland

Foto: Kristjane Maurenbrecher

Manfred Maurenbrecher & Band, Mehringhof-Theater, Mi 30.1.–Sa 2.2., 20 Uhr, VVK 20/12 Euro (erm.) zzgl. Gebühr

Mehr über Cookies erfahren