Konzerte & Party

Manu Chao in der Columbiahalle

Manu Chao

Wer Manu Chaos Webseite anklickt, sollte ein bisschen Spanisch können. Mit Englisch kommt man bei dem Pariser mit galizischen Wurzeln traditionell nicht allzu weit. Und das ausgerechnet bei einem, der im Pop den Weltbürger verkörpert wie kein Zweiter. Was den Gedanken globaler Vernetzung angeht, so verfolgt der Sohn eines politischen Journalisten einen eigenen Ansatz. Die Idee weltweiter Gemeinschaft nimmt er wörtlicher als andere. Ständig ist der unlängst 50 Gewordene unterwegs, um andere Musiker zu treffen oder auf globalisierungskritischen Benefiz-Konzerten aufzutreten. Regelmäßig spielt der Mann mit Postadressen in Barcelona und Marseille spontan in lokalen Bars, wo er dann gleich ein kleines Mikrofon aufstellt. Womöglich findet der Kneipenkrach oder ein kleines Solo auf der Flamenco-Gitarre irgendwann Einzug in eigene Songs. Neben Südamerika zog es Chao auch nach Afrika, wo er 2005 ein hochgelobtes Album für das malinesische Duo Amadou & Mariam produzierte. Noch reger ist der Pendelverkehr nach Argentinien: „Radio La Colifata“ heißt das Herzensprojekt des zierlichen Sängers – ein Radioprojekt für Patienten einer psychiatrischen Klinik in Buenos Aires. Für derartige soziale Aktionen rührt Chao keine Werbetrommel. So kommt es, dass der kamerascheue Franzose im Schaulaufen der Gutmenschen des Popbetriebs keine auffällige Nummer ist, im Unterschied zu Kollegen wie Bob Geldof, Chris Martin oder Bono. Doch der ist von seiner Philosophie der kleinen Schritte überzeugt: „Ich glaube an lokales Engagement“, sagt er, „der Vorteil liegt für mich darin, dass es eine sehr konkrete Verbindung gibt zwischen dem, was du machst, und dem, was du damit bewirkst.“ Für seine Weltverbesserungsversuche nimmt sich Chao entsprechend viel Zeit. Wenn von den Patienten in Buenos Aires die Rede ist, spricht er von „den Jungs“, sagt, dass mit den Jahren „so etwas wie Freundschaft“ entstanden sei. Angesichts seiner vielen Reisen und Projekte ist Zeit für eigene Studiowerke rar. Seit seinem Erfolgsdebüt „Clandestino“ von 1998 brachte er gerade mal drei Studioalben raus, zuletzt „La Radiolina“ von 2007. Darauf drängt der Songschreiber seine vielsprachige Patchwork-Poesie in 21 Songminiaturen, die meist ein paar Umdrehungen schneller laufen als in zurückgelehnten Hits а la „Bongo Bong“ oder „Clandestino“. Häufiger als lässige Akustikzupfer sind hitzige Punkgitarren wie in der Anti-Luftverpester-Hymne „La Pйripherique“. Im Reggae-Track „Politik Kills“ richtet er gewohnt klare Worte gegen die Entscheidungsträger der globalisierten Welt, von denen ihm Nicolas Sarkozy ein besonderer Dorn im Auge ist. Der Tonfall bleibt bei allem Ernst der Sache doch immer verspielt und scheinbar naiv. Das reicht von skurrilen Sample-Schnipseln bis hin zum Recycling altbekannter Sounds wie dem berühmten Elektro-„Pling!“ aus „Bongo Bong“. Trotz seines schmalen Oeuvres hat Chao es längst zu etwas wie seinem eigenen Subgenre der Mestizo-Musik gebracht. „Ich hab’ halt diesen einen Style“, räumt er ein. Den vergleicht er mit einer „kleinen Küche, in der ich mein Spezialgericht koche“. Der Vorteil an kleinen Kantinen ist, dass man den Chef noch persönlich kennt.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Axel Laurel

Manu Chao, Columbiahalle, Di 28.6. 20 Uhr, ausverkauft!

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