Konzerte & Party

Marc Almond im Admiralspalast

Marc AlmondKürzlich antwortete Marc Almond auf Fragen seiner Fans. Ob er nach zwei Büchern über sein Leben ein drittes plane. Eher eine Überarbeitung seiner Memoi­ren von 2004, antwortete er. Schließlich sei so viel geschehen seither. Darunter ein lebensbedrohlicher Autounfall im Herbst des Jahres, als das Buch erschien. Für Almond folgte, nach Wochen im Koma, ein veri­tabler Neustart. Sein Hörsinn ist heute zwar nicht mehr so gut wie vor dem Unfall. Vielleicht fühlt sich der 52-Jährige deshalb auch wohler in der Rolle des klassischen Chansonniers, der mit kammermusikalischem Instrumentarium gern in plüschige alte Theater einzieht. Im Vergleich zu seinen Zeiten als
Wave-­Ikone mit Soft Cell findet Almond, habe er heute sogar eine bessere Stimme. „Ich komme nicht mehr ganz so hoch. Dafür ist meine Stimme voller geworden“, sagt er zufrieden. Die 80er betrachtet er heute skeptisch; auch die Reunion mit Soft Cell im Jahr 2001 findet Almond rückblickend zwiespältig. „Im­merhin haben wir nicht nur alte Hits aufgewärmt, sondern neue Songs gebracht. Aber das Album selbst war halbgar; das alte Soft-Cell-Problem“, wiegelt er ab. Heute legt er mehr Wert auf klassisches Drama denn auf seinen früheren Flirt mit Camp-Ästhetik. Anrührend etwa sein jüngstes Album „Orpheus In Exile“ mit Bearbeitungen von Balladen des russischen Gypsy-Sängers und verfemten Schwulen Vadim Kozin. Dessen russische Romanzen werden auf der Setliste stehen, wenn Almond dieser Tage „30 Years Of Music“ zelebriert. „Tainted Love“ wird auch nicht fehlen. Vielleicht nicht mehr mit allen stimmlichen Höhen, dafür aber mit reifer Noblesse.

Text: Ulrike Rechel

Marc Almond, Admiralspalast, Mi 10.3., 20 Uhr, VVK: ab 35 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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