Konzerte & Party

Mariahilf in den Sophiensaelen

MariahilfAuf seiner Website zeigt sich Lars Rudolph als Mann mit vielen Gesichtern: Er lächelt forsch, er schaut entspannt, schmunzelt listig. Ein wahnhafter Gesichtsausdruck – das Verspannte, hinter dem womöglich Ungutes brodelt – ist in der Bildergalerie des Schauspielers nicht zu finden. Vielleicht, weil Rudolph den leicht durchgeknallten Zeitgenossen schon so oft gegeben hat. Der Mime mit der Sturmfrisur und den hellklaren Augen wurde deshalb oft mit Klaus Kinski verglichen.
Und so ganz falsch ist die Assoziation nicht; ein biss­chen Kinski geis­tert denn auch durch die Songs, die Rudolph mit seiner neuen Akustikband Mariahilff spielt. Allein der Bandname beschwört existenzielle Zustände; mit Kleinigkeiten mag sich der Songschreiber Rudolph offenbar nicht aufhalten. „Erde„, „Engel„, „Wald“ oder „Mond“ heißen die Stücke wuchtig knapp. Doch statt in schnarrende „R“-Laute zu verfallen, gibt sich der 43-Jährige beweglicher. Er raunzt wütend wie ein Berliner Hinterzimmerpoet, klagt ächzend Gott und die Welt an, die bei Rudolph durchaus Villon-kompatibel zum „Kotball“ wird. In „Mond“ darf der dramatische Furor auch mal verfliegen; dann verfällt der Bandleader, der auch als Sänger doch vor allem ein Theatergeschöpf bleibt, in Sprechgesang, seufzt müde von Sehnsucht und neuer Welt. Im Hintergrund des Charakterkopfes passieren derweil feine Dinge. Die Band, Musiker der Berliner Mandolinen-Kombo Kapaikos, lässt die Saiten zirpen, stimmt virile Seemanns­chöre an, streicht Dunkelromantisches wie die singen­de Säge oder eine windschiefe Geige. Ab und an bläst Rudolph auch mal die Trompete. Den expressiven Mariahilff-Poemen ver­schaf­fen solche zimmerlaute Momente ein wenig Luft zu Atmen.

Text: Ulrike Rechel

Mariahilff + Gran Horno, Sa 16.1., Sophiensaele, 20 Uhr

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