Konzerte & Party

Marianne Faithfull in der Zitadelle Spandau

Marianne FaithfullWenn auch nicht alles immer in ihrer Hand gelegen hat, so hat Marianne Faithfull doch alles in ihrer Stimme. Ein ganzes Leben, ihr Leben, mit all den Veränderungen, gewaltigen Erschütterungen, dem ständigen Rauf und Runter. Hell, klar und ein bisschen unsicher klang ihr Jungmädchensopran 1964 noch auf ihrer ersten Single „As Tears Go By„. Es war der erste Song überhaupt, den Mick Jagger und Keith Richards komponiert hatten. An der Seite Jaggers wurde Marianne Faithfull mit ihrer scheuen Schönheit und einer gewissen aristokratischen Vornehmheit zur strahlend blonden Königin des Rock-Jet-Sets der 60er-Jahre. Bis alle Klarheiten zersprangen, die Stimme versagte, sie ganz verstummte – nach dem Tod des Stones-Gitarristen Brian Jones 1969, nach exzessiven Drogenerfahrungen, Selbstmordversuch, Trennung von Jagger, einem traurigen Junkie-Leben auf den Straßen von Soho.
Doch irgendwann kamen die Songs zurück, neue Plattenauf­nah­men, und schließlich das gran­diose Comeback von 1979: „Broken English„. Mit einer Stimme, deren Kristall zersplittert war, brüchig geworden von den Erfahrungen, aber dafür umso eindring­licher, ausdrucksstärker und anrührender in ihrer Tiefe und Dunkelheit.
Faithfull wurde „clean“, ihr Gesang immer rauer, tiefer mit den Jahren, stärker und schöner, egal ob sie Jazz oder Blues sang oder ob sie ihrem Interesse für die Kunst der Weimarer Zeit frönte mit Brecht-/Weill-Liedern. Ob sie sich nur von einem Klavier begleiten ließ, von einer Band oder großem Orchester. Marianne Faithfull ist eine der ganz großen Überlebenden der 60er, die sich all die Jahre immer weiterentwickelt hat und mit ihrer Kunst immer noch so viel mehr auszudrücken vermag als etliche ihrer Altersgenossen. Mit den zauberhaften Songs von ihrem jüngsten Meisterwerk „Easy Come Easy Go„, mit Streichern, Bläsern, Keyboards, Gitarren und natürlich ihrem ganzen Leben in der berauschenden Stimme.

Text: H.P. Daniels

Foto: Patrick Swirc

Marianne Faithfull, Zitadelle, Sa 25.7., 19 Uhr, VVK: 35-45 Euro (bestuhlt)

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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