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Marilyn Manson: „The High End Of Low“

Marilyn Manson Zwei Jahre nach dem enttäuschenden und fast in der Versenkung verschwundenen Werk „Eat Me, Drink Me„, waren die Erwartungen an die neue Marilyn Manson-CD groß. Schließlich kehrte mit Tieftöner Twiggy Ramirez ein alter Weggefährte guter, böser Zeiten zurück, während vorher immerhin kein geringerer als Limp Bizkit-Saitendrescher Wes Borland vergeblich versucht hatte, einen Song unter des Meisters Gnade auf dem neuen Album zu platzieren.
Natürlich ging das Bäumchen-Wechsel- Dich-Spiel in gepflegter Schockrocker- Manier nicht ohne gegenseitige Beschimpfungen über die Bühne und so ist die Enttäuschung über die insgesamt 16 Songs von „The High End Of Low“ letztlich umso größer. Um es vorweg zu nehmen: Der erhoffte Befreiungsschlag ist den Herren Manson und Ramirez nicht gelungen.
Keine Frage, Manson hat seinen eigenen Stil, dem er auch weiterhin treu bleibt. Vor allem die oft gequält schreiende Stimme des Gruselmeisters verleiht den Stücken einen ganz eigenen Touch und sorgt für Unverwechselbarkeit. Das Problem bleibt wie schon beim Vorgängeralbum die musikalische Untermalung. Zwar schafft es Manson durchaus des Öfteren einen gewissen Spannungsbogen aufzubauen – indes: Er schießt ihn nicht ab. Vielversprechende Ansätze wie der Opener „Devour“ oder auch „I Have To Look Up Just To See Hell“ bleiben zu oft in Andeutungen stecken, um wirklich überzeugen zu können. Und dort, wo früher über Tempo und Geschrei noch echte Gänsehaut erzeugt wurde, kriegt Manson wie in „We’re in America“ die Kurve nicht mehr. Zu abgedroschen und sich selbst wiederholend klingen Stücke wie „Arma-Goddam-Motherfuckin-Geddon“. So bleiben als Höhepunkte lediglich die Songs, in denen Manson zumindest bis zum Einsetzen des Gesangs nicht wie Manson klingt. Sei dies „Four Rusted Horses“, bei dessen Intro man zunächst an einen Depeche Mode-Song aus besseren Zeiten denkt, oder „I Want To Kill You Like They Do In The Movies“, welches sich mit schleppendem Bass und White Stripes-Gitarrenriff zu einer neunminütigen Schmerz- und Qual-Orgie ausbreitet.
Letztlich verliert sich Manson auf „The High End Of Low“ jedoch zu oft in den guten Anfängen seiner Songs. In Zeiten jedenfalls, in denen noch so gut gemeinte Schockeffekte selbst in Amerika niemanden mehr aufregen, sind eine Handvoll guter Idee eben längst nicht mehr genug für ein gutes Album.

Text: Martin Zeising

tip-Bewertung: Uninteressant

Marilyn Manson, The High End Of Low (Interscope/Universal)

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