Konzerte & Party

The Mars Volta spielten im Huxleys

The Mars Volta

Mit ein paar Fans haben es sich The Mars Volta möglicherweise verscherzt. Jedenfalls ist ihr Konzert im Huxleys – seit Jahren eine Stammadresse der Neo-Progrocker aus El Paso – keinesfalls ausverkauft. Noch vor drei Jahren war es hier rappelvoll. Vielleicht liegt es an ihrer neuesten Platte „Noctourniquet“. Das sechste, von der Kritik gefeierte Werk der Band um Gitarrist Omar Rodrнguez-Lуpez und Extremsport-Vokalist Cedric Bixler-Zavala mag polarisieren: Fabelhaft finden es Menschen mit Neigung zur triftigen Melodie, zum Popsong also. Freunde hyperaktiver Instrumental-Odysseen aber – und dafür waren Mars Volta schließlich immer bekannt – dürften Probleme haben mit diesem überraschend zugänglichen Album. Extravaganzen spielen auf „Noctourniquet“ erstmals eine untergeordnete Rolle. Ob nun Zugeständnis an den Mainstream oder nicht: Tatsächlich bleiben sich Mars Volta absolut treu – indem sie das Erwartbare unterlaufen.
Die aktuellen Songs machen dann auch den Großteil des Abends aus: „Aegis“ etwa als Opener, später „The Whip Hand“, die ­spacig ausgedehnten Single „The Malkin Jewel“, dann „Dyslexicon“ oder der impressionistische Brüter „Empty Vessels Make the Loudest Sound“. Es sind mehrheitlich melodiestarke Songs mit bündiger Struktur, gelegentlich sogar etwas romantisch-schnulzig, die gar nicht so weit weg sind von Radiohead oder Muse – auch wenn die Texaner auch an diesem Abend manchen Song („Trinkets Pale of Moon“) in wuchernde Jam-Out-Strecken ausufern lassen. Schlagzeuger Deantoni Parks überzeugt als beweglicher Rückhalt und nimmermüder Druckmacher. Zugeschnitten aber ist alles auf Cedric Bixler-Zavala. Der Shouter mit dem Afro ist nach kleiner, noch etwas halbgarer Warmlaufphase bald voll in seinem Rockgott-Element und schöpft aus dem heiligen Kanon klassischer 70er-Rockposen: vom Herumwedeln mit dem Mikro bis zum breitbeinigen Erklimmen des Schlagzeugs.
Nach knapp 90 Minuten bleibt der Eindruck einer immer noch eigenwilligen, überraschenden Band, die plötzlich den Fokus aufs Wesentliche rückt. Von kreativer Flaute war zuletzt schon die Rede. Doch wie eine Band, der die Ideen ausgehen, sehen The Mars Volta derzeit nicht aus.

Text: Ulrike Rechel

Foto: POP-EYE/Jessica Frischen

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