Konzerte & Party

Martha Algerich in der Philharmonie

Martha Argerich

Was macht die Tigerin, wenn sie vor dem Auftritt hinter der Bühne wartet? Klar, sie tigert. Auf und ab, sich lautstark beklagend, dass sie in keiner guten Verfassung sei. Dass es immer das Gleiche sei: Sie müsse spielen und könne nicht! Unzumutbar! Dann aber geht Martha Argerich raus auf die Bühne. Faucht. Und siegt.
So und nicht anders dokumentiert es der Film, den Tochter Stephanie Argerich über Mama Martha gedreht hat. „Bloody Daughter“ heißt er und zeigt die Sphinx unter den Bühnenmirakeln noch kryptisch rätselvoll und faszinierend.
Die Rätsel dieser größten lebenden Pianistin sind zahlreich. „Bella Martha“ ist nach wie vor die meistbeschäftigte, zuverlässigste und planbarste Solistin unserer Tage – mit eigenen Festivals in Buenos Aires und Lugano, zahllosen CDs pro Jahr und einem Kokon aus Freunden und Anbetern. Und hat doch den Eindruck aufrechtzuerhalten gewusst, unvorhersehbar, widerspenstig und rar zu sein. Sie spielt niemals solo. Und gibt dennoch die besten Solo-Zugaben der Welt.
Kein Geheimnis dagegen ist, dass jedes Konzert der dreifachen Mutter eines der letzten Naturwunder ist, die die Klavierwelt zu bieten hat. Diesmal mit Beethovens 2. Klavierkonzert. Kriegen wir nie wieder so rein!

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Holger Kettner

Martha Argerich/Berliner Staatskapelle/Barenboim, Philharmonie, Mo 21.9., Konzerthaus, Di 22.9., jeweils 20 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

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