Konzerte & Party

Martin Grubinger in der Philharmonie

Martin Grubinger

Seine Kollegen erkennt er am Oberbau. „Wenn ich die muskelbepackten Jungs in der Autogrammschlange nur stehen sehe“, so Martin Grubinger, „weiß ich schon, wo die hinwollen.“ Grubinger gehört zu der raren Spezies klassischer Musiker, deren Üben sich weniger im Musikzimmer und mehr im Fitnessstudio abspielt. Und in freier Wildbahn! „Laufen, Schwimmen, Radfahren, Hanteltraining: Typen wie ich werden nicht vom Ausüben ihres Berufes stärker, sondern sie müssen durchtrainiert sein, um ihren Job überhaupt machen zu können.“ Also: Nennt mich Martin „Mucki“ Grubinger!
Tatsächlich, Schlagzeugerei ist Sport. Zwar sahen vormalige Pauker zum Beispiel bei den Berliner Philharmonikern nicht gerade aus wie Muskelpakete. Was an ihrem feinmechanischen Spiel liegen könnte. Der Unterschied ist, dass Multipercussionist Grubinger eben nicht nur Trommeln und Triangel bewegt. Sondern Marimbaphone, Idiophone, Membranophone und sonstige Schlag- und Reibetrommeln, von denen er etliche Hundert besitzt. Während eines einzigen Stückes kann es vorkommen, dass er das Instrument ein Dutzend Mal wechselt.
„Ich weiß jetzt schon, dass ich den Musiker-Beruf nur ausüben werde, bis ich 40 bin. Dann höre ich auf“, sagt der Klassikdrummer. Und was will er dann machen? „Geschichte studieren! Ich wäre gern Historiker und bin total begeistert von der Epoche von der Französischen Revolution bis zur Weimarer Republik.“
Martin GrubingerEinstweilen geht die Karriere des 32-Jährigen munter weiter. Bedeutende E-Musik-Komponisten wie Rihm, Saariaho, Aho und HK Gruber haben Werke für ihn komponiert. Mit seiner Truppe, der auch sein Vater (und Lehrer) angehört, befindet sich Grubinger auf Dauertour. Sein Heimatland salbte ihn unlängst zum österreichischen Nationalhelden, indem es ihm die Ehre zuteilwerden ließ, beim in Wien ausgetragenen Eurovision Song Contest den Interval-Act zu geben. Er tat es mit Mahler- und Bruckner-Zitaten.
Es ist vermutlich kein Zufall, dass der bekannteste Percussionkünstler aus den Alpen stammt. „Ich bin in einem Land mit Blasmusik aufgewachsen. Da hat man in jedem Gebirgsbläserkorps das Schlagzeug dabei“, so Grubinger. Mittlerweile steht er so gut da, dass er seinen Schallplattenvertrag bei der Deutschen Grammophon freiwillig kündigte, weil man dort wollte, dass er Klavier-Lullabys für Marimbaphon bearbeitet. Grubinger: „So ein Blödsinn!“
Schlagzeuger-Härte zeigt sich eben auch im Rückgrat, das man hat. „Nur das Alte neu aufzunehmen, ist einem jüngeren Publikum heute nicht mehr zu vermitteln“, sagt er branchen-kritisch. Und: „Die Wahrheit gibt es nur im Konzert!“ Davon kann man sich jetzt bei einem jener Konzerte überzeugen, deren Wellness-Charakter sich dem eigenen Bauch samt Magenwänden direkt mitteilt. Mit Grubinger gibt sich bei dieser „Brazilian Salsa Night“ der zurzeit beste Bauch-Masseur die praktische Ehre. Rein akustisch.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Fotos: Felix Broede

Martin Grubinger, Philharmonie, Fr 3.7., 20 Uhr, Karten-Tel. 0800 633 66 20

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