Konzerte & Party

Mary J. Blige: „Stronger With Every Tear“

Mary J. Blige: Der Verursacher der Vocoder-Übeltat heißt Rodney Jerkins. Er hat sich in der Vergangenheit schon öfter verhoben und verfügt offenbar über alles, nur kein Stilbewusstsein. Zum Glück durfte er nur einmal ran, wie die meisten anderen Produ­zenten auf diesem Album. So bleibt es bei einem Schön­heitsfehler, der sich nicht wiederholt. Denn eines ist doch glasklar: Hier zählt nur die Sängerin, nicht der Sound.  
Stronger With Each Tear“  schließt nahtlos an den exzellenten Vorgänger „Growing Pains“ an. Damals schon hatte man das Gefühl, Blige strah­le mehr Zufriedenheit als je zuvor in ihrer Karriere aus. Die Kernaussage: Man muss als Mensch gelitten haben, um richtig leben zu können. Diesen Gedanken nimmt sie in „Each Tear“ wieder auf, wenn sie davon spricht, dass in jeder Träne eine Lehre steckt. Wie es sich für eine klassische Soul-Per­for­man­ce gehört, spricht Blige auch den Liebhaber direkt an, gibt sie ihm eine Botschaft mit auf den Weg. Das geschieht nicht nur einmal, sondern praktisch die ganze Zeit. „Ain’t nobody gonna love better than I am, nobody’s gonna treat you as good as I am“, singt sie mit dem Brustton der Überzeugung. Der Kerl ist weg, aber meinem Selbstbewusstsein hat es nicht geschadet. Er war einfach nicht gut genug für mich. Ein klassisches Frauenthema, souverän zelebriert.
Von Anfang an liefen die Auftritte von Blige unter dem Rubrum des HipHop-Soul. Es war ihr ein Anliegen, traditio­nelle und moderne Aspekte zu einen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Bei „Tonight“ handelt es sich um einen Clubtrack mit raffiniertem, aber auch unaufdringlichem elektronischen Beat. „Color“ wiederum ist eine von Raphael Saadiq wunderbar minimal produzierte Gefühls­beichte alter Schule, in der Blige alles gibt. So wollen wir sie hören. Dann ist die Welt in Ordnung.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Mary J. Blige, Stronger With Each Tear (Geffen/Universal)

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