Konzerte & Party

Mastodon und St. Vitus im Berliner C-Club

St. VitusEine ähnlich exponierte Position nehmen die alten Bekannten von Saint Vitus (Foto) schon weit länger ein, von einigen Un­terbrechungen  abgesehen. Zusammen mit Pentagram, The Obsessed und Trouble zählt die Kapelle aus Los Angeles nun schon seit über 30 Jahren zur Speerspitze des US-Doom-Me­tals, jener schleppendsten Spielart des Metal, die einst von Black Sabbath aus der tiefschwarzen Taufe gehoben wurde. Dass der Sabbath-Songtitel „St. Vitus Dance“ entsprechend auch Pate für den Bandnamen der Amerikaner stand, ist somit nur konsequent. Leider gestaltete sich der internationale Karriereverlauf von Saint Vitus nicht ganz nach der Steilvorlage, den die Birminghamer Stil-Pioniere um Ozzy Osbourne seit den späten Sechzigern erfolgreich vorgelebt haben.
Anfangs unbeobachtet von einer größeren Öffentlichkeit, gelang es den Kaliforniern dennoch, mit im Nachhinein kultisch verehrten Albumveröffent­lichungen den Epigonenstatus abzustreifen und als essenzielle Gründungsväter der nächsten Doom-Generation gefeiert zu werden. Während die Bandbesetzung aus Gitarrist Dave Chand­ler, Bassist Mark Adams und Schlagzeuger Ar­mando Acosta mit ihrem ursprünglichen Sänger Scott Reagers Mitte der Achtziger ihre ers­ten zwei Alben einspielte, entstand mit dem späteren Einstieg von Sänger Scott „Wino“ Weinrich 1987 das Album „Born Too Late“, welches wohl bis heute als wichtigstes Werk der Band in ihrer prägnantesten Konstellation einzustufen ist. Und auch wenn die zeitweilige Rückkehr von Gründungs-Vokalist Reagers sowie ein Interims-Album mit Christian Lindersson als Frontmann folgen sollten, war es nach siebenjähriger Pause im Jahre 2003 die Besetzungsvariante mit Weinrich am Mikro, die für Reunions-Furore bei einer Einzelshow in Chicago sorgte.
Nach abermaliger fünfjähriger Auszeit im Anschluss und einer weiteren Reunion-Show des klassischen „Born To Late“-Albums auf dem niederländischen Roadburn-Festival, sind Saint Vitus – ergänzt um Neu-Schlagzeuger Henry Vas­quez – nach 13-jähriger Tour-Abstinenz nun erneut zurück auf dem Doom-Kreuzzug. „Als ich mich damals in den Achtzigern darüber beschwert habe, dass die Dinge für unsere Band nicht so super laufen, hat ein guter Freund mir den Rat gegeben, ich solle einfach die Band ruhen lassen und in fünf Jahren wieder reformieren“, so Gitarrist Chandler augenzwinkernd, „aber es ist wohl tatsächlich so, dass in der Zeit, in der wir weg waren, die Doom-Szene insbesondere hier in Europa extrem prosperiert hat und uns ein Haufen junger Bands als Inspiration nennt.“ Und so erweist sich der anfängliche Fluch der zu späten Geburt auch für Saint Vitus letzt­endlich als zeitloser Segen.

Text: Danny Dubilski

Mastodon + Totimoshi, C-Club, Di 9.2., 21 Uhr, VVK: 24 Euro 

Saint Vitus + Centurions Ghost + Android Empire, C-Club, Mi 17.2., 20 Uhr, VVK: 17 Euro

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