Konzerte & Party

Matt & Kim im Postbahnhof

Matt_und_kimWer in Brooklyn die Bedford Avenue hinunterschlendert, begegnet dort ständig Menschen mit Gitarrenkoffern oder Drumsticks in der Hosentasche. Hier sind auch Matt Johnson und Kim Schifino zuhause. Die beiden lernten sich vor sechs Jahren im Vorlesungssaal an der Kunsthochschule kennen; ne­ben­bei begannen sie, Instrumente zu lernen: Johnson machte sich mit einem billigen Casiotone-Keyboard vertraut, Schifino übte Schlag­zeugspielen. Kaum ein paar Monate Praxis genügten, um einen ersten holprigen Gig zu absolvieren. Seither haben Matt & Kim, die auch privat ein Paar sind, zahllose Brooklyner Wohnzimmer beschallt und mit herzigen Indiehymnen wie „Yea Yeah“ die Blogwelt in Entzücken versetzt.

Das in kaum einer Woche eingespielte Debütalbum von 2006 versprühte entsprechend fröhlichen Minimalismus – randvoll mit hopsenden Grooves und Johnsons kra­keligen Gesängen. Der Nachfolger „Grand“ ist da vergleichsweise ausgefeilt: Fast ein Jahr lang verschanzten sich Matt & Kim dafür. Auf der bloß 26 Minuten kurzen Platte finden sich denn auch ein paar mehr Variationen an Beats und Synthie-Tönen. Doch am geballten Do-It- Yourself-Charme der New Yorker hat sich wenig geändert: Songs wie „Daylight“ oder „Cinders“ eignen sich wieder bes­tens dazu, um imaginäre Cartoon-Figuren zu animieren; und wenn Matt & Kim im selbstgedrehten Video zu „Lessons Learned“ splitternackt über den Times Square tollen, dann regt sich beim Betrachter gar ein leichter Beschützer-Instinkt. Vorlesungssäle haben die beiden seither selten von innen gesehen – und gegen den Tourbus eingetauscht. Im Vorprogramm der schwedischen Glitter-Popper The Sounds dürften Matt & Kim dem Haupt-Act fast die Show stehlen.

Text: Ulrike Rechel

(Fanveranstaltung)

The Sounds + Matt & Kim
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im Postbahnhof, Do 10.12., 20 Uhr, VVK: 19,40 Ђ

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