Konzerte & Party

Matthew E. White im Privatclub

Matthew E. WhiteDer bärtige Mann aus Richmond, Virginia, ging es wissenschaftlich an. Klassik oder Jazz, für eines musste er sich entscheiden, als es aufs College ging. Für jemanden, der mit einem Rock-’n’-Roll-Radio aufgewachsen ist, das rund um die Uhr die alte Schule der 50er- und 60er-Jahre spielte, war das keine Frage. Der zudem eine Liebe zu Motown und Doo Whop pflegte, und der sich erst, als seine Mitschüler im April 1994 in Trauer ausbrachen, die Frage stellte: Wer ist eigentlich dieser Kurt Cobain? Das klingt ein bisschen weltfremd, mindestens aber nach einem Mann, der in der Lage ist, sein eigenes Universum zu bewohnen. Nach dem Studium von Miles Davis, Thelonious Monk und Coltrane nahm Matthew E. White Kontakt zu Steven Bernstein auf, Trompeter und Arrangeur, sowie Mitglied der Levon Helm Midnight Ramble Band. Bernstein führte White dann durch alle Inkarnationen des Americana-Spektrums und schlug die Brücke zu früheren Generationen bis zur Psychedelic-Musik der 70er. Auch wenn White nach diesem Marathon durch die Musikgeschichte erst Ende zwanzig war, fühlte er sich bereit für Eigenes und nahm sein Debütalbum „Big Inner“ auf. Die hymnischen Vergleiche von Kritikern mit „The Band“ schmeicheln ihm – auch wenn er sie übertrieben findet. Dreißig Leute haben mitgewirkt, tragen den leisen, ungeschminkten Gesang Whites auf ebenso zarten wie starken Gospelchören und Orchesterarrangements. Schicksal, Glaube, Liebe – die Themen sind groß wie das Aufgebot an gefühlsstarkem Kreativgeist. Live kommt das eine Nummer kleiner, aber umso mehr im Hier und Jetzt.

Text: Christine Heise

Matthew E. White, Privatclub, Mi 17.4, 21 Uhr, VKK: 19 Euro

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