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Matthew Herbert im Berghain

Matthew Herbert

Die ultimative Schweinerei: Das neueste Projetk von Matthew Herbert, der als Produzent und Remixer (Björk, Rуisнn Murphy) bekannt wurde, ist der letzte Teil der Trilogie „One“ und handelt, wie der Titel „One Pig“ schon andeutet, von einem Schwein.

tip Mr. Herbert, auf Ihrem neuen Album „One Pig“ begleiten Sie ein Schwein von der Geburt bis zur Schlachtbank – haben Sie jemals darüber nachgedacht, das Schwein zu retten?
Matthew Herbert Manchmal schon, aber mir ging es darum, zu zeigen, wie Fleisch produziert wird. Ich wollte verstehen, was das bedeutet. Wenn ich das Schwein gerettet hätte, dann wäre das eine andere Platte geworden. Obwohl ich keine große Bindung zu ihm hatte, war ich sehr traurig, als es geschlachtet wurde und ich seinen Kopf und die Innereien in einer Tüte zurückbekam. Das war sehr schwer für mich.

tip Hatte es einen Namen?
Matthew Herbert Nein, das wäre nicht angebracht gewesen, denn es war einfach nicht mein Schwein. Wenn das Album „Pig“ hieße, dann wäre das etwas anderes, aber es heißt „One Pig“. Dieses Schwein ist eine Metapher für das System, in dem wir leben, in dem alles perfekt darauf ausgerichtet ist, genau das Falsche zur falschen Zeit zu tun. Das ist der Gedanke, der all mein Handeln bestimmt. Wir essen Schweine, ohne darüber nachzudenken, wo und wie sie gezüchtet wurden. Sie werden unter schrecklichen Bedingungen gehalten und nach 20 Wochen getötet. Normalerweise leben sie zehn Jahre.

tip Die Tierschutzorganisation PETA wirft Ihnen vor, mit der Platte Unterhaltung zu betreiben. Sie haben sich dagegen gewehrt. Was aber wollen Sie erreichen? Möchten Sie die Zuhörer erziehen?
Matthew Herbert Nein, das will ich nicht. Das Album ist eine fiktive Dokumentation. Ich hoffe, dass es emotional und informativ ist. Gleichzeitig soll es so abstrakt sein, dass man sich darin verlieren kann, sich immer weiter vom Gedanken eines Schweins entfernt … das ist die ultimative Schweinerei! (Lacht)

tip Hat „One Pig“ etwas verändert?
Matthew Herbert Einige Leute, die etwas mit dem Projekt zu tun hatten, wollen jetzt kein Fleisch mehr essen. Ich mache solche Platten aber auch, damit Diskussionen und Fragen aufkommen. Zwar muss ich darauf nicht zwingend die Antworten liefern, aber ich denke, dass wir alle Teil eines Systems sein sollten, in dem man kollektiv das Richtige tut.

tip Haben Sie selbst sich während der Arbeit an „One Pig“ verändert?
Matthew Herbert Nicht wirklich. Ich war nur Beobachter, dem Schwein war ich ziemlich scheißegal (lacht). Es ging seinem Tagesgeschäft nach, fraß, spielte mit seiner Familie und existierte einfach. Es gab keinen Grund für mich, da hineinzutreten.

tip Warum haben Sie sich ausgerechnet für ein Schwein entschieden?
Matthew Herbert Seit Tausenden von Jahren spielen Schweine eine wichtige Rolle in der Geschichte der Menschheit. Noch bevor wir Hunde hatten, hielten wir uns Schweine. Einige Kulturen hassen sie, andere wiederum lieben sie. Dieses sonderbare Tier passt nirgendwo richtig rein. Wir können uns noch nicht einmal darauf einigen, ob das die beste oder die schlimmste Kreatur überhaupt ist.

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