Konzerte & Party

Matthew Herbert: The Recording in der Deutschen Oper

Matthew Herbert

Wer Matthew Herbert und seine Band zuletzt live erleben wollte, traf den britischen Sample-Avantgardisten in Museen, Bibliotheken oder Theatern an: Orte, an denen sich der Soundforscher inzwischen offenbar eher zu Hause fühlt als im Rahmen von Clubkonzerten. Die Einladung der Deutschen Oper passt somit gut ins Portfolio des Mannes mit der hohen Denkerstirn, der erst im April mit einer eigenen Oper in London debütierte. Bei seinem neuesten Projekt in Berlin steht dann kein Musiktheater an, sondern ein Work-in-Progress der speziellen Art. Für sieben Tage wird Herbert mit seinen Musikern in die Tischlerei einziehen, wo eigens ein provisorisches Studio für den Gast aus England eingerichtet wurde. Der Ort wird zum offenen Labor, in dem man dem Meister täglich beim Entwickeln und Komponieren zuschauen kann. Am Ende verspricht er ein fertig gemischtes Album, was entsprechend mit einer Record-Release-Party gefeiert wird – nach biblisch anmutender einwöchiger Schöpfungsphase. Im Studio wird während der in eine „Open Space“- und eine Aufnahmephase aufgeteilten Zeit die Anwesenheit von Zuhörern nicht nur gebilligt, sondern ausdrücklich gefordert. Jeder von Panel-Diskussionen begleitete Tag steht unter besonderen Themen, die eine hübsche britische Ironie verraten: Teils dürfen alle Anwesenden mitsingen – „Singing Day“ –, teils mit mitgebrachten Aufnahmegeräten Geräusche sammeln; während des „Music for Pleasure“-Tages steht dagegen Hedonismus im Vordergrund, und es wird für alle leckeres Essen serviert. Der „Political Day“ wird diskursiver, dann stellt Herbert die Frage, ob Musik überhaupt noch das Potenzial hat, nennenswerte Wirkung zu hinterlassen. Am „Tools Day“ können Besucher aus mitgebrachten digitalen Einzelteilen ein neuartiges Instrument basteln. Anderntags soll man gar seine Großeltern mitbringen, schließlich auch „den eigenen Hund“. Von fern grüßt da der Schalk, aber auch Joseph Beuys’ Idee einer politischen Kunst, bei der ein jeder zum Künstler wird.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Lalo Borja

Matthew Herbert & Band: The Recording, Do 18.–Sa 27.9., Deutsche Oper, Tischlerei, täglich „Open Space“ (16.30–18 Uhr), „The Recording“ (18–20.30 Uhr), Panel-Diskussionen (ab 22 Uhr), VVK: 5 Euro (25 Euro Dauerkarte)

Record-Release-Party, ?Do 25.9., 20 Uhr, Karten-Tel.: 34 38 43 43
www.deutscheoperberlin.de

Mehr über Cookies erfahren