Konzerte & Party

Max Prosa im Lido

maxprosa_SandraLudewigDer Gedanke, alles hinter sich zu lassen, ist eine Schlüsselfantasie des Rock’n’Roll. Die Animals wollten einfach nur abhauen, wie auch Ton Steine Scherben. Auch Max Prosa drängt es raus. Seine Songs, die er auf seinem Debütalbum „Die Phantasie wird siegen“ versammelt, lesen sich als Anleitung zum Aufbrechen, Ausschweifen, Losrennen. Der 22-Jährige singt davon, „Betonflügel“ abzuwerfen, per Elefant bis Marokko zu kommen, die verlorene Liebe zu flicken, „auf der Straße nach Peru“. Seine persönliche Weltkarte erinnert dabei an Rio Reisers poetische Destinationen: Zauberland, Babylonien, Wilder Westen. Der Werkkanon des Berliner Songpoeten ist für Prosa eine wichtige Wegmarke: „Platten wie ‚Keine Macht für Niemand‘ oder die Soloalben wie ‚Rio I‘ und die mit den drei Sternen haben mich berührt wie sonst keine deutschen Platten“, sagt der Newcomer, der als Spross einer Charlottenburger Arztfamilie alles andere als Rock’n’Roll-nah aufwuchs. Dass das CD-Regal mit Klassik oder Reinhard Mey als rarem Pop-Ausläufer sortiert war, „das hab’ ich nie infrage gestellt“, sagt der klassisch geschulte Gitarrist, „das musste ich alles neu für mich entdecken“.

Hilfreich war da eine erste Stones-CD, die ihm ein Onkel zusteckte – sowie der Umzug nach Neukölln: „Überall passiert etwas oder gibt es was zu sehen, ohne Hintergedanken. Es ist einfach da – und vielleicht am Tag darauf schon wieder weg“, schwärmt der Songschreiber. Wie ein beseelter Gang auf der Fährte der Siebziger- und Sechziger-Bohиme klingt auch sein Album, das er teils mit großer Folk-rockbesetzung im Erfurter Studio von Mentor Clueso einspielte, teils reduziert mit Akustischer und Mundharmonika. Songs wie „Radio Resistance“ etwa erinnern mit gesundem Übermut, bedröhnter Bluesgitarre und Klavier an Kreuzberger Hippie-Nachmittage; das mit Mandoline und üppiger Schrammelei versehene „Flügel“ ist ein Hymnus für wilde Herzen. Das perfekte Pflaster dafür hat Prosa vor der Haustür.

Text: UIrike Rechel

Foto: Sandra Ludewig

Max Prosa, Lido, Mo 20.2, 21 Uhr, ausverkauft

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