Konzerte & Party

Max Raabe

Max Raabetip Neben Tokio Hotel und Rammstein sind Sie der bekannteste deutsche Musiker in den USA. Wie erklären Sie sich das?
Max Raabe Ich gehöre zu den Leuten, die darüber am meisten verblüfft sind. Aber diese Musik ist so stark, die Arrangements sind virtuos und sehr raffiniert gesetzt – das ist etwas, was man hierzulande nicht mehr gehört hat, und in dieser Konsequenz treibt es in anderen Ländern auch keiner. Das könnte eine Erklärung dafür sein.

tip Wie war es, in der legendären Carnegie Hall zu spielen?
Raabe Natürlich ist das eine gefährliche Sache, wenn man als deutsches Ensemble nach Amerika geht und sich auch noch frecherweise in die Carnegie Hall stellt. Den Amerikanern muss man ja das Showgeschäft nicht erklären. Die können das besser. Aber wir haben etwas, was die Amerikaner eben nicht haben, und diese Art der Musik, diese Form der Unterhaltungsmusik ist etwas ganz Spezielles, sehr Europäi­sches, wenn nicht sogar sehr Deutsches. Gerade die Zeit der Weimarer Republik interessiert die New Yorker sehr. Was noch dazukommt, ist, dass die Amerikaner wirklich verblüfft sind, dass es so etwas wie einen deutschen Humor gibt.

tip Verstand das New Yorker Publikum denn die Texte?
Raabe Wenn man ein deutschsprachiges Repertoire bringt, muss man mit wenigen Worten auf Englisch erklären, was da Sache ist und um was es im nächsten Stück geht. Und so, dass die Leute wissen: Okay, die nehmen sich mit dem Ganzen auch nicht allzu ernst. Dass wir die Musik ernst nehmen, das merkt man wohl, aber dass es diese starke Selbstironie gibt, ist ebenfalls enorm wichtig.

tip Gehört das Konzert zu Ihren Lieblingsauftritten?
Raabe Es war jedenfalls eines der beeindruckendsten Konzerte, die wir je hatten, und ich habe gedacht, es ist das Größte, was ich je erleben werde. Aber als wir dann mit unserem aktuellen Programm im April Premiere im Admiralspalast hatten, waren viele Freunde da. Obendrein konnten wir Thomas Quasthoff überreden, für eine Überraschungsnummer mit auf die Bühne zu kommen. Zu viert haben wir mit Mitgliedern des Orchesters ganz still und unaufgeregt „In einem kühlen Grunde“ gesungen, was ein sehr ergreifender Moment war. Dazu kam, dass der von mir hoch verehrte Loriot im Publikum saß. All das, der Freundeskreis und diese Künstler, die ich enorm schätze, führte dazu, dass ich in der Euphorie sagte, das ist der schönste Konzertabend, den ich bisher hatte. Das sehe ich nach wie vor so, und so schnell wird da auch keine Steigerung in Sicht sein.

Lesen sie mehr im tip 14/08


Text
: Claudia Wiegand

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